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Am 13. September 1820 begannen zu Darmstadl die zu Wien
vereinbarten Beratungen. Außer den dort schon gewonnenen Re
gierungen waren in weiterem Verlaufe noch Rurhessen, Waldeck
und die beiden hohenzollernschen Fürstentümer hinzugetreten. Auch
stellten sich die Stimmführer des deutschen Handels- und Industrie-
vereins, Dr. List, Schnell u. a. ein, doch nicht als dessen Bevollmächtigte,
da der verein vom Bundestage keine offizielle Anerkennung ge
funden hatte, sondern nur als sachverständige Personen.
Die Darmstädter Verhandlungen hatten anfänglich
unter dem Vorgang von Hessen-Darmstadt, Baden, Nassau und
Württemberg die Tendenz, den unbedingten Freihandel zum leitenden
Gesichtspunkte zu machen, wie dies schon in Wien das allgemeine
Schlagwort gewesen war. Dagegen verwahrte sich der bayrische
Bevollmächtigte von Aretin ebensowohl wie gegen die Idee eines
unbedingten Prohibitivsystems, das namentlich von den Fabrikanten
in Anregung gebracht worden war. Tr erreichte dadurch auch,
daß man von dem Prinzipe unbedingten Freihandels absah. Aber
noch fehlte es, wenn man auch in Wien schon die allgemeinen
Leitpunkte festgestellt hatte, an einer Vorlage für die Beratungen.
Nebenius, der badische Bevollmächtigte, unternahm es, eine solche
auszuarbeiten, und übergab das Resultat in der vierten Sitzung,
die in die letzten Tage des November 1820 fiel. Völlige Freiheit
des Verkehrs der Staaten unter einander, Verlegung der Zoll
erhebung an die Grenzen, völlig gleiche Tarife für Tin-, Aus-
und Durchgangszölle, Verzicht der einzelnen kontrahierenden Staaten
auf einseitige, dem allgemeinen System nicht entsprechende Einord
nungen, die durch Stimmenmehrheit festzusetzen seien; Tinsetzung
einer von den einzelnen Regierungen unabhängigen Rommission
mit lebenslänglichen Mitgliedern zur Durchführung und Verkündigung
der allgemein vereinbarten Mautgesetze, Verteilung der Zollüber
schüsse, gemeinsame Bestallung der Trhebungs- und Aufsichtsbeamten
nach einem noch festzustellenden Schema, Rontrollrecht jeder ein
zelnen Regierung über sämtliche Beamte des Vereins und Rontrolle
der erwähnten Rommission durch jährliche Versammlung der Mit