Full text: Der deutsche Zollverein

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Stimmenverhältnis, über die Verteilung der Zollüberschüsse andere 
Differenzpunkte, so daß Nebenius eine Zeitlang im Sinne hatte, 
ohne Württemberg und Bayern mit den übrigen Staaten weiter zu 
verhandeln. Und als die Versammlung endlich so weit war, an 
ihre Regierungen einen abschließenden Bericht erstatten zu können, 
ließ die großherzoglich hessische Regierung am 3. ~üili 1823 er 
klären, daß sie Angesichts der Langsamkeit und Resultatlosigkeit 
der bisherigen Verhandlungen nicht mehr gedenke, daran teil 
zunehmen. Damit war freilich nur ausgesprochen worden, was 
von allen Beteiligten schon längst empfunden worden war. Alle 
hatten es gemerkt, daß der gute ehrliche Wille, einen Abschluß 
herbeizuführen, immer mehr geschwunden war. 
Neben den prinzipiellen Gegensätzen zwischen Baden und 
Bayern bestand übrigens noch ein politischer sehr einschneidender 
Art. Zwar hatte Bayern infolge des Druckes der übrigen Wächte 
ebenso wie Württemberg die Anerkennung des Nachfolgerechtes 
der Hochheimer Linie in Baden nicht länger als bis 1819 versagen 
können, Bayern meinte aber doch seine damit in Verbindung 
stehenden Ersatzansprüche für den weiland pfälzischen Anteil an der 
Grafschaft Sponheim aufrecht erhalten zu dürfen, und hatte für 
die armselige Landschaft auf dem Hunsrück die blühenden Gefilde 
von Heidelberg und Mannheim im Auge behalten. Das war es, 
was vor allem das Mißtrauen und die Abneigung der badischen 
Regierung und ihres Vertreters gegen Bayern und gegen ein Vor 
wiegen dieses Staates in einer süddeutschen Zollvereinigung wach hielt. 
Somit ging die Darmstädter Konferenz nach fast dreijähriger 
Tätigkeit völlig fruchtlos auseinander, je nach der Stimmung des 
deutschen Publikums ein Gegenstand des Spottes oder der Ent 
rüstung. Man ersieht aber deutlich, wie außer dem gegenseitigen 
Mißtrauen selbstsüchtige Interessen, Unkenntnis der wirtschaftlichen 
Gesetze und Bedingungen, sogar auch persönliche Rancune das Zustande 
kommen eines Resultates hinderten. Vor allem aber: es fehlte an 
einer Macht, die den andern einerseits imponierte und doch auch 
offensichtlich des unbedingten Vertrauens der anderen würdig war.
	        
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