Full text: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

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Bernhard Harms 
sein Bewenden haben mag. Zwei Faktoren sind es, die in ihrem gegen- 
seitigen Verhältnis den jeweiligen Stand der internationalen Arbeits- 
teilung bestimmen: ich nenne sie die räumlich-gebundenen und die 
räumlich-beweglichen Produktionsfaktoren. Das Verhältnis zwischen 
beiden ist in fortwährendem Fluß begriffen. Was gestern noch räumlich 
gebunden erschien, ist heute schon beweglich geworden. Problematisch 
ist also, ob diesem Prozeß Grenzen gesetzt sind, und wo sie gegebenenfalls 
liegen. Innerhalb dieser Grenzen wird die internationale Arbeitsteilung 
sodann endgültige Gestaltung annehmen. Friedrich List stellte 
schlechthin tropische und gemäßigte Zone einander gegenüber. Nur 
innerhalb dieser beiden grundsätzlich andersartigen Erdräume hält er 
die durch deren Charakter bedingten Produktionsfaktoren für beweglich, 
ein Hinüber- und Herüberwechseln in die gegenseitigen Jagdreviere soll 
dagegen nicht möglich sein. Internationale Arbeitsteilung begreift List 
demgemäß in diesem naturbedingten Sinne. An sich war das richtig 
gesehen, doch hat die seitherige Entwicklung die dem »Naturbedingten« 
nach ihrem damaligen Stande angeblich für ewige Zeiten innewohnende 
Starrheit in großem Ausmaß überwunden, wenn sich auch an der räum- 
lich bedingten Gebundenheit der Erzeugung von bestimmten Rohstoffen, 
Nahrungs- und Genußmitteln grundsätzlich nichts geändert hat und 
als ebenso sicher angenommen werden darf, daß in gewissen klimatischen 
Zonen die industrielle Entwicklung ausgeschlossen bleibt. Zahlreiche 
Gebiete, von denen List annahm, daß sie für immer Rohstoff- und 
Nahrungsmittelproduzenten bleiben würden, sind inzwischen trotz aller 
Schwierigkeiten, die dem entgegenstanden, den Weg der Industrialisierung 
gegangen. Den Antrieb dazu gab die gekennzeichnete raumwirtschafts- 
politische Zielsetzung oder kapitalistisches Gewinnstreben. Nicht selten 
wirkten beide gemeinsam. Möglich wurde die Industrialisierung, weil 
erstens die »natürlichen Widerstände« sich weniger stark zeigten, als 
früher angenommen war, und weil zweitens jene Rohstoff- und Nahrungs- 
mittelländer sich die sog. kultürlichen Produktionsbedingungen: auf 
dem Hintergrunde wissenschaftlicher Erkenntnis entwickelte Technik, qua- 
lifizierte Arbeiter, kaufmännische Fähigkeit, Organisationsformen, gewisse 
Rechtsinstitute, Kapital usw., von denen List gleichfalls annahm, daß 
sie an die gemäßigte Zone gebunden seien, anzueignen vermochten. Dies 
geschah zudem auch in solchen Ländern, denen zwar die klimatischen 
Vorbedingungen für die Stoffverarbeitung nicht fehlten, von denen man 
jedoch früher glaubte, daß sie aus andern Gründen — etwa mangels 
geeigneter »Veranlagung« — die kultürlichen IndustrialisierungS 
bedingungen nicht zu erwerben vermöchten. 
Eingesetzt hat diese Entwicklung, wie schon angedeutet, vor dem 
Kriege, doch hat dieser ihr Tempo beschleunigt und sie in manchen Län“
	        
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