Object: Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa

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III. HT-ten oder Roh-ten. 
HI-ten oder Roh-ten ist die chinesische Bezeichnung für die 
Wurzel von Derris chinensis Benth., einer zu den Leguminosen ge 
hörigen Pflanze. Diese Pflanze kommt in den nordwestlichen Teilen 
Formosas häufig wild vor; mitunter wird sie auch kultiviert. Die 
Formosachinesen und die Formosawilden verwenden das HI-ten zum 
Fischfang. Zu diesem Zwecke werden frische Wurzeln gesammelt, 
am Flußufer auf einem Steine zerstampft, der herausquellende Milch 
saft in das Flußwasser gegossen und dieses dann umgerührt. Alle 
Fische, die sich in der Nähe aufhalten, werden dadurch vergiftet; 
betäubt kommen sie an die Oberfläche des Flusses, um nun von den 
hierauf Wartenden gefangen zu werden. Manchmal kommt es auch 
vor, daß mit dem HI-ten Selbstmord verübt wird. 
Im Jahre 1903 fand Prof. K. Nagai, damals Chemiker beim 
Monopolamt, in dem Roh-ten einen wirksamen krystallinischen Be 
standteil, dem er den Namen Rotenon gab. Es wurde festgestellt, 
daß die chemische Zusammensetzung des Stoffes C, 8 H 16 0 5 ist. 
Dr. O. Kubo gelangte bei seinen Untersuchungen über das Rotenon 
im pharmakologischen Laboratorium der Universität Tokio zu 
folgenden Ergebnissen: 
1. Rotenon ist anscheinend der giftige Bestandteil von HI-ten. 
Es wirkt giftig auf kaltblütige Tiere wie Frösche, Fische usw., auch 
auf Warmblüter wie Mäuse, Kaninchen, Hunde, Menschen usw. 
2. Rotenon übt lokalen Reiz aus. Subkutan eingespritzt, ruft 
es an der betreffenden Stelle einen Abszess hervor. Die vomierende 
Wirkung bei Menschen, Hunden usw. wird vielleicht infolge der Reiz 
wirkung auf die Nerven der Magenschleimhaut von diesen reflek 
torisch hervorgebracht. Der Durchfall bei Hunden wird ebenfalls 
auf lokalen Reiz zurückzuführen sein. 
3. Rotenon wirkt auf verschiedene Nervenzentren, namentlich 
auf die Zentren der Krämpfe und der Atmung, erst reizend, dann 
lähmend. Die Todesursache liegt stets in der Lähmung der Atmungs 
zentren. Auch die vasomotorischen Nervenzentren werden be 
deutend erregt. Infolgedessen erhöht sich der Blutdruck, und nach 
einer gewissen Zeit scheint eine stärkere oder schwächere Lähmung 
jener Zentren einzutreten. Es ist ferner nicht ausgeschlossen, daß die
	        
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