Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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mußten wir noch Hühner, Eier, Butter und weiß Gott was noch für Sachen 
dem Gutsherrn geben. Fortziehen durften wir nicht, und wollte nur ein 
Bauer seinen Jungen was anderes werden lassen als wieder Bauer, so war 
die Erlaubnis des Gutsherrn dazu nötig. Dafür aber durften wir auch im 
herrschaftlichen Wald Klaubholz suchen und unser Vieh auf die Gutsweide 
treiben. Das war mein Geschäft. Und ich kann mich noch sehr gut erinnern, 
wie eines schönen Tages der Herr Gutsverwalter daherkam und mich mit 
samt meinen Kühen davonjagte. 
Ich wußte nicht, was das auf einmal zu bedeuten hatte, denn bis dahin 
hatte er nie etwas dagegen gesagt. Ich wollte den Vater fragen; aber als ich 
weinend nach Hause kam, was war da für eine Aufregung im Hause! Die 
Mutter weinte, der Vater fluchte und rang die Hände. Alles war in heller 
Verzweiflung. Damals begriff ich nicht, was denn Schreckliches geschehen 
war. Erst viel später erfuhr ich den Zusammenhang. 
Unser Gutsherr, der Herr Graf, hatte meinem Vater den Spanndienst 
und Handdienst, wie man das dazumal nannte, erlassen, und wir brauchten 
auch keine Hühner u. s. to. mehr zu geben. Dafür aber nahm er uns das 
Klaubholz und die Weide und den halben Grund, der feit Menschengedenkeu 
in unserer Familie gewesen war. Mein Vater wollte das gar nicht glauben 
und lief gleich zum Kreisamt into wollte Klage führen; aber dort sagten 
sie ihm, der Herr Graf sei ganz in seinem Rechte, es bestehe da so ein Gesetz, 
das ihm das erlaubt. Und wie mein Vater das nicht glauben wollte, da 
drohten sie ihm mit dem Einsperren. 
Das war ein schwerer Schlag. Freilich, daß er die Dienste nicht mehr 
zu leisten brauchte und die Kinder zu Hause behalten konnte, das war dem 
Vater schon recht! Aber die Hälfte von seinem Grund und Boden wegzu- 
uehmen, das war doch schrecklich. Dann war unser Haus schon alt und schad 
haft, lind der Vater wollte im nächsten Jahre ein neues bauen oder doch ein 
neues Dach aufsetzen. Das Holz^hätte er aus dem Herrschaftswald holen 
können. Das durfte er nun auch nicht mehr. 
Jetzt ging es ans Sparen! Zwei Kühe mußten gleich verkauft werden, 
denu nun war kein Futter mehr für sie da, und so hatte ich auch nichts mehr 
zu tun, denn die anderen zwei Kühe standen im Stalle. Für das kleine Stück 
Land, das dem Vater geblieben war, gab es nun in der Familie reichlich 
genug Hände und mehr als genug Münder. Der Vater war daher sehr froh, 
als meine Tante, seine Schwester, den Vorschlag machte, mich zu sich zu 
nehmen. Sie hatte einen wohlhabenden Bauern jenseits der Grenze ge 
heiratet. Leicht war es freilich nicht gewesen, zu dieser Heirat die Einwilli 
gung unseres Gutsherrn zu bekommen, und es hatte ein hübsches Stück Geld 
gekostet. 
^ Jetzt, nahm mich die Tante 31t sich, und so kam ich ins Oesterreichische. 
Das Dorf, wo sie wohnte, war freilich von dem unseren kaum mehr als 
eine stunde entfernt, aber doch war dort vieles anders als bei uns und 
nicht gerade bdsser. Denn dort stand die Bauernplackerei noch in voller Blüte. 
Unter den Bauern gingen allerhand Geschichten um von dem guten Kaiser 
Josef, der den Bauern hätte helfen wollen und den die Jesuiten umgebracht 
hätten. Ich weiß nicht, wieviel davon wahr ist; aber schlecht genug ging es 
den Bauern dort noch immer. 
Mein Onkel, der Mann meiner Tante, hatte im Jahre 40 bis 50 Tage 
für den Gutsherrn Spanndienste zu leisten und das natürlich gerade immer 
zu der Zeit, wo er selbst hätte ackern, säen, düngen und ernten sollen; aber 
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