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sie das Handwerk ruinieren. Die Diskussion war erregt gewesen und der
Referent hatte entgegnet, daß' es nicht die Sozialdemokraten seien, die das
Handwerk zugrunde richteten, sondern die Konkurrenz der kapitalistischen
Großbetriebes daß aber allerdings die Sozialdemokraten diese Notwendig
keit nicht nur erkennen, sondern auch offen erklären, während andere Par
teien die 'Beteiligten darüber hinwegzutäuschen suchten.
Als der Vater nach Hause kam, war er noch in Erregung und er
zählte uns von der Redeschlacht. „Ja," sagte er, „das kann ich bestätigen, das
habe ich miterlebt, wie der Handwerker aus den Hund gebracht wird durch
das große Ungetüm, das Kapital." Und nun erzählte er mir die Geschidsie
seines Lebens.
„Mein Vater," begann er, „war Tischlermeister in einer kleinen
Stadt. Er war ein geachteter Bürger, auf dessen Meinung Und Stimme
man etwas gab in der Gemeinde. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er in der
Werkstatt an der Hobelbank stand und die Arbeit ihm nur so von den
Händen slog. Er war geschickt in seinem Fach, und in der ganzen Stadt
waren seine gediegenen und geschmackvollen Möbel bekannt und beliebt.
Wenn wo ein junges Bürgerpaar heiratet, dann wußte der Vater schon,
daß sie zu ihm kommen und ihre Einrichtung bestellen würden. Als der
Bürgermeister eine neue Amtsstube einrichtete, da hatte er lange Be
ratungen mit dem Vater. Der war fleißig, aber er liefe sich auch nichts
abgehen. Hühner und Gänse zog die Mutter selbst und Gemüse hatten wir
aus dem eigenen Garten, in dem auch id) ms Kind oft arbeitete und wo
der Vater oft am Sonntag morgens auch nach dem Rechten sah. Das Haus,
in dem wir wohnten, war schon seit mehr als hundert Jahren in der
Familie. So lebten wir, mein Vater, die Mutter, vier Gesckjwister und der
Geselle, der auch mit zur Familie zählte, zwar einfach, aber auskömmlid)
und ohne wirtschaftliche Sorgen.
Wann das große Ereignis geschah, das später unser Leben zerstören
sollte, das weiß ich gar nicht; denn anfangs achtete bei uns gar niemand
darauf, daß in dem Städtchen ein Möbelmagazin errichtet wurde, wo man
fertige Ware vom Lager kaufte. Ich erinnere mich nur, daß Vater sich
öfters über die Schundware lustig mad)te, die es dort zu kaufen gab, die
freilich nach etwas aussah, aber an Solidität und Geschmack den Ver
gleich mit Vaters Werken nicht aushalten konnte.
Aber das Lachen verging ihm bald. Nach einiger Zeit merkte er,
daß besonders die ärmeren Kunden sich nicht mehr so regelmäßig einstellten.
Der Händler verkaufte nicht nur billiger, er gewährte auch Ratenzahlungen,
und hauptsächlich brauchte man bei ihm nichts zu bestellen, man konnte sich
die Möbel fertig ansehen und wählen. Dabei hatte er immer noch neue
Muster, die er aus der Großstadt bezog, und so kam es, daß 'auch die
„besseren" Bürger immer mehr iferf# Kundschaft ihm zuwendeten. Die Be
stellungen bei Vater wurden immer seltener. Ich hörte ihn nicht mehr so
lustig bei der Arbeit fingen, und eines Tages wurde der Geselle, der so
lange an seiner Seite gearbeitet hatte, entlassen. Es war ein trauriger
Tag, dem aber traurigere folgten.
Da sich die Kundschaft nicht mehr recht einstellen wollte, beschloß Vater
endlich, auch aus Lager zu arbeiten. Da er dazu mehr Holz anschaffen mußte,
nahm er ein Darlehen aus, das aufs Haus angesd)rieben wurde. Aber diese
Spekulation schlug fehl. Mein Vater arbeitete solid; er konnte gar nicht
anders, und so waren die von ihm hergestellten Möbel teurer als die beim