Full text : Kapitalismus und Sozialismus

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des  Fleißes,  der  Ausdauer,  der  Sparsamkeit.  Ohne  die  wären  eben  jene
Vermögen  nie  gebildet  worden,  die  es  jetzt  ihren  Besitzern  allerdings  oft  j
leicht  machen,  etwas  dazu  zu  gewinnen."
„Freilich,"  unterbrach  hier  Karl  mit  ironischem  Lachen,  „Fleiß  und
Sparsamkeit,  die  führen  zu  etwas.  Waren  mein  Großvater,  mein  Vater  und
mein  Großonkel,  der  Schlossermeister,  waren  das  nicht  alles  fleißige  und  j
sparsame  Männer?  Und  zu  was  haben  sie  es  gebracht?  Fast  bis  zum
Bettelstab."  °  .
„Das  sind  einzelne  Fälle.  Die  darf  man  nicht  gleich  verallgemeinern",
erwiderte  Wilhelm.
„Das  ist  ganz  richtig",  mischte  ich  mich  nun  wieder  ins  Gespräch.  „Ein-  I
zelne  Fälle  beweisen  noch  nichts;  aber  du,  Wilhelm,  warst  es  ja  selber,  der
sich  auf  die  tägliche  Erfahrung  berief,  und  die  ist  auch  lehrreich.  Freilich  muß  ,
man  mit  offenen  Augen  sehen  können.  Daß  aber  solche  Schicksale  wie  die
unserer  Väter  und  Großväter  keine  Ausnahmsfälle  sind,  das  können  wir
leicht  feststellen,  indem  wir  die  Geschichte  studieren.  Freilich  nicht  die  der  j
Könige  und  Feldherren.  Die  gehen  uns  meist  nicht  viel  an.  Aber  die  Wirtschaftsgeschichte ­
  erzählt  uns  eigentlich  nur  zusammenfassend,  wie  sich  alle
die  Menschen  vor  uns  geplagt  Haben,  um  ihren  Lebensunterhalt  zu  ge-  I
Winnen,  und  wie  sie  von  den  Mächtigen  geplagt  wurden,  die  von  der  Arbeit  1
jener  lebten.  Diese  Wissenschaft  wird  uns  denn  wohl  auch  zeigen,  wie  die  |
ersten  großen  Vermögen  entstanden,  die  zur  kapitalistischen  Ausbeutung
verwendet  wurden."
„Große  Vermögen  hat  es  immer  gegeben",  warf  hier  Wilhelm  ein.
„Aber  früher  hat  man  nichts  von  „kapitalistischer  Ausbeutung"  gesprochen."
„Das  macht  eben  auch  einen  großen  Unterschied,"  erwiderte  ich,  „wozu  .
ein  Vermögen  verwendet  wird.  Wenn  sich  in  Rom  zum  Beispiel  ein  reicher  i
Mann  Sklaven  kaufte  und  sie  für  sich  arbeiten  ließ,  dann  war  das  doch  etwas
anderes,  als  wenn  zum  Beispiel  im  Mittelalter  ein  reicher  Grundbesitzer
viele  Leibeigime  hatte,  toe  ihm  einen  Teil  ihrer  Ernte  abliefern  mußten:
und  das  ist  doch  wieder  etwas  ganz  anderes,  als  wenn  ein  moderner
Fabrikant  viele  Arbeiter  beschäftigt  und  großen  Profit  macht.!"
„Oho,"  unterbrach  mich  da  Wilhelm,  „gar  viel  Unterschied  kann  ich  Juv
nicht  sehen.  Jeder  von  denen  hat  sein  Vermögen  gut  angelegt  und  kann  so
vom  Ertrag  leben."
„Na  siehst  du,"  rief  hier  Karl  dazwischen,  „jetzt  stellst  du  selber  den
Fabrikanten  mit  dem  Sklavenhalter  auf  eine  Stufe.  Freilich,  beide  arbeiten
selber  nichts,  lassen  andere  für  sich  arbeiten  und  führen  dabei  das  schönste  |
Leben.  Gar  viel  Unterschied  ist  da  wirklich  nicht."
„Das  möchte  ich  doch  nicht  behaupten,  daß  da  so  gar  kein  Unterschied
ist",  nahm  ich  nun  wieder  das  Wort.  „Der  Sklave  gehört  seinem  Herrn,  der
mit  ihm  machen  kann,  was  er  will;  er  hat  ihn  gekauft  wie  ein  Stück  Vieh.
Aber  gerade  weil  er  den  Sklaven  hat  bezahlen  müssen,  deshalb  hat  der  auch  i
Wert  für  ihn,  und  der  Herr  wird  darauf  achten,  daß  sein  menschliches  Last-  |
vieh  nicht  vorzeitig  eingeht,  Der  heutige  Arbeiter  aber  ist  ein  freier  Mann,  -
der  heute  für  diese»  Chef  arbeiten  kann,  morgen  für  jenen.  Der  Kapitalist  ;
kauft  nicht  ihn,  sondern  nur  seine  Arbeitskraft.  Ist  die  ausbedungene  Arbeitszeit ­
  vorüber,  so  ist  der  Arbeiter  wieder  sein  eigener  Herr.  Aber  deshalb  ,
hat  er  selbst  auch  keinen  Wert  für  den  Kapitalisten,  sondern  nur  seine  Kraft
während  der  Arbeitszeit.  Kann  der  eine  Arbeiter  heute  die  Arbeit  nicht

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