Full text : Die deutsche Wirtschaft

Deutsche Wirtschaftsbeziehungen zu Österreich, 243
Das Eisenbahnnetz der Haupt- und Lokalbahnen des heutigen
Deutschösterreich hat im ganzen eine abgerollte Baulänge von
7335 km, und 1 km Bahn kommt durchschnittlich auf 858 Einwohner
dieses Landes, Bayerns Bahnen messen 8161 km, und schon 838 Menschen
 verfügen über ein Kilometer, Der Flächeninhalt Bayerns ist
demjenigen Deutschösterreichs 10 % geringer, diesem aber trotzdem
noch um 10 % Bahnlänge voraus, Zu den Verkehrsfragen gehört
ferner die richtige Ausnützung der Donau. Die schiffbare Donau mit
großzügigen Häfen, ganz modernen Lagerhäusern, Zollfreilagern vornehmlich
 für den Transitverkehr, mit technisch vollendeten Werften
für den Binnenschiffbau, das ist ein Kapitel für sich und ein Stoff, über
den schon gewaltige Pläne geschmiedet wurden. Auch diese werden
eines schönen Tages spruchreif werden, und darauf sei deutsche Industrie,
 deutscher Handel hiermit rechtzeitig aufmerksam gemacht.
Ich behaupte, Wien an der Donau kann, wenn richtig angefaßt,
eine Binnenhafenstadt ersten Ranges und besonders das ganz große
Ausgangstor nach dem Osten werden, Diese Aufgabe und ihre Durchführung
 ist des Schweißes der Edlen wert.
Ein besonderer Wunsch der österreichischen Verkehrsinteressenten
 an die Reichsbahnhauptverwaltung ist allerdings die Erstellung
direkter Frachtsätze im Güterverkehr zwischen den deutschen Stationen
 einerseits und den österreichischen sowie den ungarischen, jugoslawischen
 und rumänischen Stationen andererseits. Vor dem Kriege
haben solche direkten Tarife bestanden, Daß sie in der Nachkriegszeit,
 als die Währung Deutschlands und anderer Länder fortwährend
großen Schwankungen unterworfen war, nicht mehr aufrechterhalten
werden konnten, wird ohne weiteres zugegeben. Nachdem aber die
Währungen zum Stehen gekommen sind, besteht doch wohl die Möglichkeit
 der Wiederherstellung der direkten Gütertarife.
Da die wirtschaftlichen Verhältnisse Österreichs eine erfreuliche
Besserung aufweisen, sind wichtige Vorbedingungen für die Rentabilität
 der hier noch fehlenden Industriezweige gegeben. Voraussetzung
 ist natürlich, daß dies in großzügiger Weise mit genügenden
finanziellen Mitteln geschieht. Da durch die Errichtung solcher Industrieunternehmungen
 Österreich in die Lage versetzt wird, eine
Reihe von Artikeln des Inlandbedarfes im Lande selbst zu erzeugen,
und dadurch die Handels- und Zahlungsbilanz in günstigem Sinne beeinflußt
 wird, ist nicht daran zu zweifeln, daß die österreichische
Regierung solchen Bestrebungen ihre Unterstützung angedeihen
lassen wird,
In diesem Zusammenhang muß auch darauf hingewiesen werden,
daß die österreichischen Zollvorschriften für Maschinen, Maschinen-16»


            
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