Full text: Kapitalismus und Sozialismus

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Zeitalter hat die furchtbaren Steinwüsten geschaffen, unsere Großstädte, wo 
die Menschen in stickigen, kleinen Wohnungen neben- und übereinander 
geschachtelt sind, wo der Arbeiter kein Heim, die Frau keinen Haushalt 
mehr hat. Die Maschine hat der Frau ihre alte Arbeit abgenommen. Heute 
wird das Brot in der Fabrik gebacken, die Wurst in der Fabrik gemacht 
u s. w. Zugleich hat aber die Maschine die Frau und Las Kind in die 
Industrie hineingerissen, und nun müssen sie auch, dort fronen, wo,,die Ma 
schine noch nicht den Sieg errungen hat; ja, die Heiniarbeit wä« schon 
längst eingegangen, wenn sie sich nicht vom Blut und Schweiß der Frauen 
und Kinder nähren würde. 
Es besteht aber noch ein zweiter Zusammenhang zwischen der Maschrne 
lind der Arbeit von Frauen und Kindern in der Heimarbeit, früher wurde 
in jeder Werkstatt eine ganze Reihe verschiedener Waren hergestellt. Der 
Schneider arbeitete nach Maß, und so war jeder Rock vom aiwern ver 
schieden; der Tischler, der Schlosser arbeiteten auf Bestellung: die besonderen 
Wünsche der Kunden waren maßgebend, es gehörte ein geschickter und er 
fahrener Arbeiter dazu, um allen diesen Wünschen zu entsprechen. Die Ma 
schine hat den Massenartikel aufgebracht. Jetzt wird alles in ungeheuren 
Massen auf den Markt geworfen, der Käufer kann sich dann aus dem Wust 
das heraussuchen, was ihm zusagt oder was ihm nicht zu teuer ist." 
Aha, ich verstehe schon", unterbrach mich Karl wieder. „Die Massen 
artikel sind viel einfacher herzustellen, und deshalb können dazu auch un 
gelernte Frauen und Kinder verwendet werden." 
„Ganz richtig," erwiderte ich. „Jetzt wird rn jedem Hermarberts- 
betrieb nur irgendeine bestimmte Teilarbeit ausgeführt, und die kann jeder 
leicht und rasch erlernen; da können Frauen und Kinder ohne tnel Anler- 
nung herangezogen werden. 
Dadurch aber, daß jetzt so viele Frauen lind Kinder arbeiten müssen, 
werden die Löhne so stark gedrückt, daß der einzelne Arbeiter m der Regel 
gar nicht mehr so viel verdienen kann, daß er eine Familie zu ernähren rni- 
stande ist; und so müssen Frau und Kinder wieder auf Arbeit gehen, und 
dadurch wird die ganze Familie auscinandergerissen." 
„Das ist wahr," bestättgte Karl. „Höchstens, daß wir uns am 'Sonntag 
alle zusammen um den Tisch setzen können. Unter der Woche kommen wir 
alle nicht zum Mittagessen nach Hause, und am Abend fehlt auch meist der 
eine oder der andere." 
, Dabei habt ihr cs aber noch gut," berichtigte ich, „west bet euch 
wenigstens noch die Mutter zu Hause ist und die Wirtschaft instandhalten 
kann, und weil ihr keine fremden Mieter in eure Wohnung aufzunehmen 
braucht." . „ r „ ... 
„Na, das sehe ich bei unseren Nachbarn," bestätigte Karl. „Er m 
Müllkutscher, sie geht in die Fabrik. Er ist bei Nacht nicht zu Hause, ste bei 
Tag nicht. Dabei haben sie zwei Kinder, und, um den Wohnungszins aus 
zubringen, müssen sie noch einen Schlafdurschen nehmen. Ta gibt es dann 
immer furchtbaren Krach. Es ist ja kein Wunder, daß der Mann da eiter- 
süchtig ist, ilnd so gibt es immerfort Streit und oft auch Keile." 
' „Ja, das habe ich mir eigentlich schon immer gedacht," bemerkte nun 
Wilhelm, „daß die Frauenarbeit nicht recht ist. Mein Vater sagt auch 
immer: „Die Frau gehört ins Haus." Dabei ist aber doch meine^Schwester 
Telephonistin und ist fast den ganzen Tag nicht zu Hause; aber was soll denn 
Vater machen? Von seinem Gehalt als Schutzmatin kann er nicht die ganze
	        
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