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1320 Mk. Die Preise steigen also noch stärker als die Löhne. Mit dem Wert-
V s rol m *Wenn ich mir nicht schon ein paarmal mit
^L^M^^^^u^g das Maul verbrannt hätte, würde ich sagen, daß also
das Wertgesetz falsch sein muß."
„Und damit würdest du dir freilich wieder das Maul verbrennen,"
eiw'.öerte ich lachend, „sehen wir uns zunächst einmal dein erstes Argument
an. Du lagst, die Arbeiter haben jetzt mehr Geld, sie können darum mehr
kaufen. Aber woher haben pe denn das Geld?"
™ rief da Karl dazwischen,, „ich sehe schon, wo du hinaus willst.
üw Arbeiter mehr, das haben die Kapitalisten weniger, und so bleibt
sich die summe gleich und alles ist beim alten."
„Nicht ganz," erwiderte ich. „Die ausgegebene Summe ist die gleiche
wie vorher; aber die Art der eingekauften Arttkel hat sich geändert. Früher
Erden mehr Luxusartikel gekauft, jetzt mehr Lebensmittel. Aber im Wert
bleibt die Summe allerdings die gleiche."
• ^^HkgnLte Wilhelm; „aber was kannst du gegen meine Rech-
*y n 9 vorbringen . Die ist doch nach deinem eigenen Rezept gemacht. Daran
ist docy nicht zu tippen."
„Bielleicht aber doch," erwiderte ich. „Sehen wir sie uns nochmals
genauer an.
Qon fuhr Wilhelm ärgerlich dazwischen. „An den
onn t JÄ atenaI lft doch nicht zu rühren, und daß der Lohn von
..00 auf 300 Mk. hinaufgeht, das ist doch eben die Voraussetzung. Und dar-
aus ergibt sich dann alles andere bort selbst."
- , . "Ja, wenn in beiden Fällen der Profit von 20 Prozent der gleiche
bleibt, entgegnete ich ruhig; „aber das ist eben die Frage. Erinnere dich,
was wir soeben erst gesehen haben, daß der Arbeiter bei einer Lohn
erhöhung nur so viel gewinnt, wie der Kapitalist verliert. Wenn also in
deinem Beispiel das Rohmaterial u. s. w. 800 Mk. kostet und der durch die
Arbeit neu geschaffene Wert 400 Mk. ist, so haben im ersten Falle die Ar-
oeiter von diesem zugesetzten Wert 200 Mk. erhalten, der Kapitalist eben-
joviel. Im zweiten Falle hat sich der Lohn von 200 auf 300 Mk erhöht und
so bleiben fur den Kapitalisten nur 100 Mk. übrig. Die Erhöhung der Löhne
bat also nicht eine Erhöhung der Preise zur Folge gehabt, sondern eine
-Verabsetzung des Profits. Früher hat der Kapitalist mit einem Kapital
von 1000 Mk. (800 + 200) einen Profit von 200 Mk. gemacht, also 20 Pro-
Zent, letzt braucht er ein Kapital von 1100 Mk. (800 + 300), um einen
Profit von 100 Mk. zu erzielen, sein Gewinn beträgt kaum mehr als
9 Prozent."
II.
"Na, weißt du," begann Wilhelm wieder liach einigem Nachdenken,
„die Geschichte will mir doch nicht recht einleuchten. Du sagst, wenn die Löhne
in einem Unternehmen steigen, so werden dadurch nicht die Preise erhöht,
sondern der Profit des Unternehmers wird uni so viel verringert. Aber wir
haben ja früher gesehen, was die Folge ist, wenn das geschieht. Erinnere
dich doch; als wir von der Ausgleichung des Profits sprachen und davon,
wieso die Preise von den Waren abweichen*), da sahen wir, daß das Kapital
immer dorthin geht, wo hoher Profit ist, und dort davonläuft, wo wenig
ist. Wenn also der Fabrikant, von dem wir vorhin sprachen, auf einmal statt
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