Full text: Kapitalismus und Sozialismus

Prosit 200 Mk., und die gebrochenen Steine werden um 1200 Mk. ver 
kauft Worden. Nun vergleichen wir damit eine Maschinenfabrik. Dort ist 
das Verhältnis zwischen Auslagen für Abnutzung von Maschinen und Bau 
lichkeiten, für Material und Hilfsstoffe u. s. w. und Arbeitslohn gerade um 
gekehrt wie beim Steinbruch. Dort werden also für den ersteren Zweck 
900 Mk. ausgelegt, für Löhne 100 Mk. Das macht also zusammen wieder 
1000 Mk., und diese tragen bei der gleichen Profitrate wieder 200 Mk., die 
Produkte werden also ebenfalls um 1200 Mk. verkauft. 
Nun steigen die Löhne um 10 Prozent. Der Steinbruchbesitzer wird 
also jetzt statt 900 Mk. an Arbeitslohn 990 Mk. auslegen müssen. Die 
100 Mk. für Werkzeugersatz u. s. w. bleiben gleich, er muß also statt 1000 Mk. 
jetzt 1090 Mk. (100 + 990) auslegen. Beim Maschinenfabrikanten sind 
die 900 Mk. für Material, Baulichkeitsabnutzung u. s. w. zunächst unver- 
ättdert geblieben, aus den 100 Mk. Arbeitslohn sind nun 110 Mk. geworden, 
er muß also statt 1000 Mk. jetzt 1010 Mk. auslegen (900 + 110). Würden 
die Steine und die neuen Maschinen zu den alten Preisen verkauft 
werden,.. 
„Dann kämen ganz verschiedene Profite heraus," unterbrach lnich 
Wilhelm. „Der Steinbruchbesitzer würde jetzt 110 Mk. Profit machen 
(1200 —1090), der Maschinenfabrikant aber 190 Mk. (1200—1010). Karl 
hat also doch nicht recht. Denn jetzt wird natürlich das Kapital sich vom 
Steinbruch zurückziehen und sich dem Maschinenbau zuwenden, die Steine 
werden teurer und die Maschinen werden billiger werden als früher." 
„Das wäre aber kurios," warf Karl ein. „Jetzt soll gar der Preis 
der Maschinen sinken, weil die Löhne gestiegen sind." 
„Und es ist doch so," antwortete ich. „Wilhelm hat ganz recht. Wenn 
es überhaupt nur diese beiden Industrien gäbe, die Steingewinnung und 
die Maschinenindustrie, dann wäre in ihnen vor der Lohnerhöhung ein 
Kapital von zusammen 2000 Mk. ausgelegt und ein Wert von 240Ö Mk. 
erzeugt worden, somit hätte der Profit 400 Mk. oder 20 Prozent betragen. 
Nach der Lohnerhöhung beträgt das Kapital der beiden Industrien 2100 Mk. 
(1090 im Steinbruch, 1010 in der Maschinenfabrikation angelegt), der 
Preis aller ihrer Produkte zusammen wäre unverändert 2400 Mk., der 
Profit also 300 Mk. (2400 — 2100), die Profitrate wäre also von 20 Prozent 
auf 14 1 3 Prozent gesunken." 
„Das ist ja alles ganz schön und gut," unterbrach mich Karl unge 
duldig, „aber ich kann nicht absehen, was bei der langen Rechnerei heraus 
kommen soll." 
„Natürlich," rief Wilhelm lachend, „wenn du einmal im Unrecht bist, 
verlierst du gleich die Geduld. Ich habe oft genug zusehen müssen, wie 
alles zerpflückt und zerfasert wurde, was ich gesagt hatte." 
„Tu brauchst gar nicht so zu triumphieren", entgegnete Karl ganz auf- 
gebracht. „Du hast anfangs behauptet, daß alle Waren teurer werden, 
wenn die Löhne steigen, und jetzt behauptet Gustav, daß sogar welche billiger 
werden, wenn die Löhne steigen. Da weiß ich wirklich nicht, warum du so 
stolz zu tun brauchst." 
„Aber hört doch auf zu streiten," ries ich dazwischen. „Wer wird denn 
theoretische Fragen persönlich nehmen! Setzen wir lieber ruhig unsere 
Untersuchung fort. Wir hahen also gesehen, daß sich infolge der Lohn 
erhöhung um 10 Prozent die Profitrate von 20 Prozent auf 14 1 /.., Prozent 
gesenkt hat. Daraus läßt sich nun leicht berechnen, wie sich die Preise der 
Steine und der Maschinen jetzt verhalten müssen. Der Steinbruchbesitzer hat
	        
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