Full text : Kapitalismus und Sozialismus

90

1

1090  Mk.  ausgelegt.  Wenn  sich  nun  die  Profite  durch  Abwendung  des
Kapitals  ausgeglichen  haben,  so  erhält  er  den  neuen  Durchschnittsprofit
von  Ich  V3  Prozent,  das  macht  156  Mk.,  der  Preis  der  Steine  stellt  sick  alio
auf  1246  Mk.  (1090  +156),  er  ist  also  gegen  früher  um  46  Mk.  gestiegen.
Der  Maschinenfabrikant  hat  1010  Mk.  ausgelegt,  dazu  kominen  14s',  Prozent, ­
  das  ist  144  Mk.,  der  Preis  der  Maschinen  stellt  sich  also  aus  1154  Mt.
(1010  +144),  er  ist  also  gegen  früher  um  46  Mk.  (1200  —1154)  gesunken."
III.
„Das  kann  schon  stimmen,"  meinte  Wilhelm  nachdenklich.  „Der  eine
gewinnt  geradeso  viel,  wie  der  andere  verliert,  der  Gesamtwert  und  -preis
bleibt  unverändert.  Aber  in  Wirklichkeit  gibt  es  doch  nicht  nur  Steinbruchbesitzer
  und  Maschinenfabrikanten,  sondern  auch  andere  Menschen."
„Das  ist  allerdings  eine  unbestreitbare  Wahrheit,"  entgegnete  ick:
„aber  ich  hatte  ja  dieses  Beispiel  nur  gewählt,  um  euch  die  Dinge  mögliäsil
anschaulich  und  einfach  vorzuführen.  In  Wirklichkeit  ist  das  Verhältnis
zwischen  Arbeitslohn  und  den  anderen  Bestandteilen  des  angewandten  Kap-itals
  von  Betrieb  zu  Betrieb,  hauptsächlich  aber  von  einem  Industriezweig
zum  andern  verschieden."
„Und  wenn  nun  die  Löhne  steigen  oder  fallen,"  unterbrach  mich  Wilhelm, ­
  „dann  gleicht  die  Konkurrenz,  das  Abwandern  der  Kapitalien  dortlsin,
  wo  der  höchste  Profit  winkt,  die  Profite  wieder  aus,  und  dadurch  werden ­
  die  Preise  neu  geregelt."
„Ja,  aber  das  will  mir  doch  nicht  recht  einleuchten,"  wandte  nun  Karl
wieder  ein,  „daß  die  Preise  sinken  sollen,  wenn  die  Löhne  steigen.  Davon
hätte  man  doch  schon  einmal  etwas  merken  müssen.  Ich  habe  aber  immer
nur  gehört,  daß  man  das  Steigen  der  Preise  mit  den:  Steigen  der  Löhne
erklärt."
„Das  glaub'  ich  schon,"  lachte  Wilhelm.  „Bei  uns  im  Geschäft  müssen
wir  immer,  wenn  sich  ein  Kunde  beschwert,  daß  ein  Anzug  zu  teuer  ist,
sagen,  die  Arbeiter  verlangten  jetzt  so  hohe  Löhne.  Aber  mir  ist  es  noch
nicht  vorgekommen,  daß  einem  Kunden  etwas  zu  billig  war,  so  daß  wir  uns
deswegen  hätten  entschuldigen  müssen."
„Karl  hat  nicht  so  unrecht,"  antwortete  ich.,  „In  den  letzten  Jat:rzehnten
  sind  die  Geldlöhne  im  allgemeinen  gestiegen,  wenn'auch  nicht  im
Verhältnis  zu  den  gesteigerten  Lebensmittelpreisen  und  der  ^gesteigerten
Arbeitsqual.  Nun  meint  Karl,  das  hätte  sich  doch  auch  in  einer  Senkung  der
Preise  jener  Waren  zeigen  müssen,  zu  deren  Herstellnng  im  Verhältnis  viel
Maschinen  und  wenig  Arbeitskraft  nötig  sind."
„Aber  es  sind  doch  auch  eine  Menge  Waren  billiger  geworden",  warf
Wilhelm  ein;  es  scheint  mir  aber  recht  fraglich,  ob  gerade  das  Steigen  der
Löhne  daran  schuld  ist.  Ich  kann  das  säsiver  glanben.  Da  ist  doch  wohl  die
Hauptursache,  daß  arbeitsparende  Maschinen  eingeführt  wurden,  daß  das
Rohprodukt  billiger  geworden  ist  u.  s.  to."
„Das  ist  ganz  richtig",  antwortete  ich.  „Es  ist  geradezu  unmöglidi,
aus  den  komplizierten  Erscheinungen  unseres  wirtschaftlichen  Lebens  direkt
die  Regeln  und  Gesetze  dieser  Wirtschaft  herauszulesen.  Deshalb  haben  wir
ja  auch  den  weiten  Umweg  einschlagen  müssen,  den  wir  gegangen  sind.  Daß
Waren  teurer  oder  billiger  werden,  hängt  von  sehr  verschiedenen  Umständen
ab.  Die  wichtigste,  die  ausschlaggebende  Ursache  bleibt  allerdings..."
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.