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und bringt so alles hervor, was zur Ernährung einer zahlreichen
gewerbetreibenden Bevölkerung nötig ist. Die Stadt wird von einem
starken Wasserlauf, der Wupper, und von mehreren Nebenbächen
gestreift, die den zahlreichen für die Messer- und Waffenfabriken
unentbehrlichen Schleifwerkstätten die Kraft liefern. Die Stadt
Solingen mit den umliegenden Ortschaften, die zusammen eine Aus
dehnung von ungefähr 10 000 ha haben, bilden für diese Erzeugnisse
den wichtigsten Fabrikationsort des europäischen Kontinents.
Der Stahl, der hier verarbeitet wird, kommt zum größten Teil
vom Stahlberg. Dieses Spateisenlager liegt inmitten des Wester
waldes; die Erze werden dort verhüttet mit Hilfe von Holzkohle,
die die Wälder desselben Gebirges liefern. Die 10000 Arbeiter
Solingens verarbeiten für 1 Million Fr. Stahl und liefern für un
gefähr 10 Millionen Fr. gewerbliche Produkte. Man kann die
Arbeiter in drei Hauptklassen teilen, die wieder in zahlreiche Kate
gorien zerfallen. Die erste Klasse umfaßt „die Zurichter“,
d. h. die Schmiede, die Feiler und die Härter, mit anderen Worten
die Arbeiter, die dem Gegenstand die passende Form und die rich
tige Härte geben. Die zweite Klasse bilden „die Schleifer“,
d. h. die Arbeiter, die den so zugerichteten Stahl am Schleifstein
glätten und schärfen. Die dritte Klasse endlich umfaßt „die
Fertigarbeiter“, d. h. die Zusammensteller, die die fertige
Klinge in den Griff oder in das Heft einfügen und die Eeihe der
Tätigkeiten vollenden, die nötig sind, bevor die Gegenstände in den
Handel gegeben werden können. Vom Gesichtspunkt der Vorbildung
und der Wichtigkeit für die Fabrik aus betrachtet, zerfallen die
Arbeiter einer jeden Klasse noch in zwei Kategorien: die gelernten
Arbeiter, die sich durch drei- oder vierjährige Lehrzeit auf ihr
Handwerk vorbereiten und die aus der einheimischen Bevölkerung
hervorgehen; und die Handlanger, die Hilfs- oder Vorarbeiten
machen, wozu lediglich rohe Kraft gehört; sie ergänzen sich aus den
angrenzenden Teilen Hessens und des Nassauer Landes. Die Arbeiter
Solingens sind niemals in großen Fabriken tätig; jeder von ihnen
erledigt für eigene Rechnung einen Teil der Fabrikation. Die Zu
richter und die Fertigarbeiter arbeiten gewöhnlich in ihrer eigenen
Wohnung, inmitten des Haushaltes. Die Schleifer, die mit mächtigen,
durch mechanische Kraft betriebenen Schleifsteinen arbeiten, mieten
sich gegen wöchentlichen Zins einen Platz in einer großen Schleif
werkstätte, die durch ein Wasserrad oder durch eine Dampfmaschine
ihre Kraft erhält. Alle Produkte werden für Rechnung der Unter-