Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

1.  Friedrich  oder  Fritz  B  .  .  der  Vater,  geboren  zu
Solingen,  verheiratet  seit  29  Jahren  50  Jahre
2.  Theresia  oder  Eesi  M  .  .  .,  seine  Frau,  geboren  zu
Lennep  52  „
3.  Josef  oder  Sepp  B  .  .  .,  ihr  zweiter  Sohn,  geboren
zu  Solingen  23
4.  Karoline  oder  Line  B  .  .  .,  ihre  älteste  Tochter,
geboren  zu  Solingen  20
5.  Margarethe  oder  Gretchen  B  .  .  .,  ihre  zweite
Tochter,  geboren  zu  Solingen  17  „
6.  Christian  oder  Christ  B  .  .  .,  ihr  dritter  Sohn,  geboren ­
  zu  Solingen  9

Der  älteste  Sohn,  Johannes  oder  Hans  B  .  .  .,  ist  28  Jahre  alt
verheiratet  und  hat  einen  eigenen  Haushalt.  Er  gehört  infolgedessen ­
  nicht  mehr  zu  der  Familie,  obwohl  er  in  der  Werkstatt  des
Vaters  als  Arbeiter  tätig  ist.  Der  zweite  Sohn  arbeitet  ebenfalls
mit  dem  Vater,  der  dritte  Sohn  geht  noch  zur  Schule.
§  3.  Religion  und  moralische  Gewohnheiten.  Die
Familie  ist  kalvinistischer  Konfession.  Ohne  gerade  besonderen
Eifer  zu  zeigen,  kommt  sie  ihren  hauptsächlichsten  religiösen
Pflichten  regelmäßig  nach.  Jeden  Sonntag  begeben  sich  alle  zur
Kirche  und  empfangen  jedes  Jahr  einmal  die  Kommunion.  Im
gegenseitigen  Verkehr  herrscht  große  Höflichkeit.  Die  Neigung  für  J
einen  guten  Tisch  und  gegorene  Getränke  ist  der  einzige  hervortretende ­
  Fehler  der  Familie;  die  Unmäßigkeit  zeigt  sich  besonders
stark  bei  dem  ältesten  Sohne,  der  mehrere  Jahre  in  der  preußischen
Armee  gedient  hat.
Diese  Gewohnheiten  sind  zugleich  die  des  größeren  Teiles  der
Bevölkerung  von  Solingen.  Die  Sitten  sind  anständig;  uneheliche
Geburten  sind  selten  und  werden  gewöhnlich  durch  die  Ehe  wieder
in  Ordnung  gebracht.  Indessen  unterscheiden  sich  in  dieser  Be-  •
ziehung  die  in  §  1  erwähnten  drei  Arbeiterklassen.  Es  ist  beachtenswert, ­
  daß  die  liederlichsten  Arbeiter  der  Klasse  der  Schleifer
angehören,  deren  Löhne  gewöhnlich  sehr  hoch  sind  und  mitunter
(wie  z.  B.  jetzt),  das  Zehnfache  der  Durchschnittslöhne  der  Fabrik
betragen.  In  der  Stufe  der  mittleren  Löhne  finden  sich  die  mäßigsten
Arbeiter,  die  infolgedessen  am  befähigsten  sind,  sich  durch  Ersparnisse ­
  zu  Fabrikanten  oder  Kaufleuten  emporzuarbeiten.
            
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