Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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der Familie. Jeder Mann verbraucht durchschnittlich am Tage 67 g 
Tabak. Eine andere Erholung, der sie alle großen Wert beilegen, 
ist der Branntweingenuß morgens und abends. In der hier beschrie 
benen Familie trinken die beiden Arbeiter täglich 0,14 1 Branntwein 
im Hause und ebensoviel im Wirtshaus. Samstags gibt es außerdem 
noch eine Extragabe Branntwein in der Werkstatt, an der der Meister 
und seine drei Arbeiter teilnehmen. Die Frauen genießen weder Spiri 
tuosen noch Narkotika. Es ist sehr selten, daß die Familie während 
der Mahlzeit Branntwein, Bier oder gar Wein trinkt. Jedes Jalir 
beteiligen sich die Männer an einem Scheibenschießen, das man als 
die Hauptlustbarkeit der Gegend betrachten kann. Die vier Märkte, 
die jedes Jahr in Solingen stattfinden, und einige Feste in den be 
nachbarten Dörfern sind fast die einzige Erholung, an der alle 
Familienglieder gemeinsam teilnehmen. Eine Mahlzeit im Wirts 
haus, Tanz, seltener kleine theatralische Vorführungen, sind bei 
dieser Gelegenheit die begehrtesten Vergnügungen. Viele Arbeiter 
indessen bleiben auch diesen letzteren Vergnügungen fern, und man 
kann sagen, daß die einzigen unerläßlichen Vergnügungen dieses 
Landes der Tabak und der Branntwein sind, wenigstens für die 
Männer; für die Frauen die Unterhaltung mit den Nachbarinnen. 
Geschichte der Familie. 
§ 12. Hauptphasen der Existenz. Vor ihrer ersten 
Kommunion unterstützen die Kinder die Eltern kaum in ihren 
Arbeiten , sondern widmen ihre ganze Zeit der Schule. Mit 13 
oder 14 Jahren beginnen die Mädchen, ihre Mutter zu unter 
stützen und helfen beim Transport der Gegenstände, die der Vater 
bearbeitet. Zur selben Zeit treten die Söhne als Lehrjungen in 
irgendeinen Zweig der lokalen Industrie ein. In den Familien der 
Klasse der „Fertigarbeiter“ ergreift höchstens ein Sohn den Beruf 
des Vaters. Die Brüder entgehen so der Notwendigkeit, sich eines 
Tages Konkurrenz machen zu müssen. In dieser Hinsicht bietet die 
hier beschriebene Familie eine ganz seltene Ausnahme unter den 
zu dieser Klasse gehörigen Arbeitern Solingens. Nach 3 oder 
4 Jahren Lehrzeit macht der junge Arbeiter seine Gesellenprüfung 
und arbeitet als solcher 1 oder 2 Jahre bei seinem ersten Meister 
oder bei einem anderen, der ihm schon einen festen Lohn zahlt. 
So kommt er ins militärpflichtige Alter; dieser Dienst dauert durch-
	        
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