Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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schnittlich  2  Jahre.  Nach  Erfüllung  dieser  Pflicht  muß  der  Arbeiter
seine  Meisterprüfung  machen,  ehe  er  selbständig  arbeiten  darf.
Endlich  verheiratet  er  sich,  sobald  er  genügend  Werkzeug,  Wäsche
und  Möbel  hat.  Hierbei  bringen  die  Töchter  der  arbeitenden  Bevölkerung ­
  im  allgemeinen  ihrem  Gatten  nichts  mit  in  die  Ehe,  so
daß  dieser  oft  eine  kleine  Aussteuer  in  Möbeln  oder  Geld  von  seinen
Eltern  empfängt.  Von  dieser  Epoche  an  entwickeln  sich  die  Haushaltungen, ­
  in  denen  Ordnung  und  Sparsinn  herrschen,  schrittweise
zur  Wohlhabenheit.  Unglücklicherweise  fehlen  diese  Eigenschaften
der  größten  Anzahl,  und  so  bleiben  die  Familien  dauernd  in  den
hier  beschriebenen  mittleren  Verhältnissen.  Sie  streben  danach,  sich
sogleich  allen  physischen  Genuß  zu  verschaffen,  den  die  industrielle
Tätigkeit  abwirft,  und  ertragen  mit  Resignation  alle  Entbehrungen,
die  aus  dem  Fehlen  jeder  Reserve  in  Zeiten  der  Not  hervorgeht.
Die  Prüfungen,  die  Lehrling  und  Geselle  zu  machen  haben,  um
Geselle  und  Meister  zu  werden,  sind  in  Preußen  erst  seit  1850  eingeführt. ­
  Vor  dieser  Zeit  herrschte  dort,  seit  der  französischen
Okkupation,  unbedingte  Freiheit  in  der  Wahl  und  Ausübung  der
Berufe.  In  Solingen  setzt  sich  die  Prüfungskommission  aus
25  Personen  zusammen,  aus  denen  zu  jeder  Prüfung  ein  Ausschuß
von  5  Gliedern  zusammengestellt  wird.  Für  die  Gesellenprüfung
besteht  das  Komitee  aus  einem  Fabrikanten  als  Präsidenten,  zwei
Meistern  und  zwei  Gesellen;  für  die  Meisterprüfung  nur  aus  Fabrikanten ­
  und  Meistern.  Die  Prüfung  besteht  in  der  Ausführung  einer
Arbeit  vor  dem  Ausschüsse  oder  in  der  von  glaubwürdigen  Zeugen
bestätigten  Anfertigung  eines  Meisterstückes.
§  13.  Sitten  und  Einrichtungen,  die  das  physische
und  moralische  Wohlergehen  der  Familie  sichern.
Trotz  des  Fehlens  regelmäßiger  Subventionen  und  des  Mangels
jeder  Fürsorge  für  die  Zukunft,  befinden  sich  die  Arbeiter  Solingens
und  besonders  die  hier  beschriebene  Familie  in  einer  ziemlich
glücklichen  Lage.  Infolge  der  günstigen  Fabrikationsbedingungen
und  der  stetigen  Vorwärtsbewegung  erfährt  die  handarbeitende
Bevölkerung  keinen  übertriebenen  Zuwachs;  sie  muß  sich  sogar
regelmäßig  aus  den  benachbarten  Provinzen  noch  Ersatz  verschaffen. ­
  Indessen  sind  keineswegs  die  wünschenswerten  Garantien
für  die  Zukunft  gegeben;  denn  die  Solinger  Industrie  hat  nicht  in
sich  selbst  die  Quellen  des  Wohlergehens,  dessen  sie  sich  erfreut.
Hier  ist  in  Wirklichkeit  das  Wohlergehen  der  Familien  garantiert
durch  den  Konsum  außerhalb  des  Landes,  der  von  Jahr  zu  Jahr
            
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