Full text: Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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es vom Staate bezahlt würde. Das Lehngut wird vom König einem 
Manne gewährt, der sich große Verdienste um den Staat erworben 
hat. Es ist vererblich im Mannesstamm nach den Grundsätzen der 
Primogenitur, so lange ein Erbe existiert. Wenn die männliche 
Nachkommenschaft ausstirbt, fällt das Lehngut an die Krone zurück, 
aber es kann ihr nicht endgültig einverleibt werden. Es muß von 
neuem einem tüchtigen Staatsdiener mit oder ohne Adel zugeteilt 
werden. Für die Domänen in Hannover, wo sie „Kittergut“ heißen, 
gilt dies besonders. Anderswo können sie verkauft werden, unter 
der Bedingung, daß der Erwerber die ihm auferlegten Pflichten er 
füllt; aber auf keinen Fall dürfen sie zerstückelt werden. Wie in 
Dänemark und Schweden bewirtschaften die Besitzer ihre Güter, 
sei es durch ihre Dienstboten oder durch Pächter, Bauern oder Häus- 
linge. Sie leben in gutem Einvernehmen mit der Mehrzahl der 
ländlichen Bevölkerung, über die sie oft Patronage ausüben, und 
die zum größten Teil ganz unabhängig ist. Fast immer betrachtet 
die Bevölkerung in nationalen Fragen diese Großgrundbesitzer als 
ihre natürlichen Vertreter. Der Adel, den die Grundeigentümer 
bilden, ist mit oder ohne Titel, in der Meinung des Volkes die wahre 
obere Klasse der sächsischen Ebene, weil ihr Einfluß sich nicht 
gründet auf beneidete Privilegien, sondern auf harte Pflichten. Er 
versammelt sich periodisch in den verschiedenen territorialen Be 
zirken, um in den Mitgliedern das Gefühl dieser Pflichten zu er 
wecken und den weniger wohlhabenden Familien ihre Ausübung zu 
erleichtern. So vereinigen sich z. B. in Lüneburg die Vertreter des 
Adels in Celle, der alten Hauptstadt der Provinz, unter dem Vorsitz 
eines erwählten Marschalls. Die Versammlung ernennt eine besondere 
Kommission, die die alten Stiftungen der Korporation zu verwalten 
und neue Legate entgegenzunehmen hat. Ihre Hauptaufgabe be 
steht darin, die Einkünfte aus diesem Eigentum zu verteilen, be 
sonders arme Töchter zu dotieren und zur Equipierung junger 
Offiziere beizusteuern. 
In der sächsischen Ebene, wie in den früher beschriebenen 
Gegenden, beruhen diese trefflichen Gewohnheiten auf dem Gehorsam 
gegenüber den Vorschriften des göttlichen Gebots („eternel decaloque“); 
aber sie erhalten sich im reinen Zustande nur unter dem wohltätigen 
Einfluß des regelmäßigen Kultus. Die religiösen Zwistigkeiten des 
16. und 17. Jahrhunderts haben zahlreiche Spuren in dieser Gegend 
zurückgelassen. In vielen Gegenden der Ebene und des angrenzenden 
Hügellandes wetteifern die Katholiken und Lutheraner neben
	        
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