Contents: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin Respondek, 
ziehen. Dieses Gold bleibt in euren Händen in Gestalt von Noten, je 
nachdem in 5-, 20-, 5o-Frcs.-Noten. Alle Noten, aber auch alle, sind gegen 
wärtig das wahre Geld Frankreichs.“ 
Nunmehr wurde nicht davor gescheut, die früher wegen ihrer Gold 
propaganda viel geschmähte Deutsche Reichsbank als ein Beispiel hin 
zustellen, das Pflichtgefühl eines jeden Deutschen gegen sein Vaterland, 
das Arm und Reich zur Notenbank trieb, um hier sein weniges oder 
vieles Gold in Noten umzutauschen, und dies in einer Zeit, in der sein 
Vaterland den schwersten aller seiner Waffengänge führt, zu loben. 
R.-G. Levy erhebt seine Stimme und möchte das deutsche Beispiel gern 
nachgeahmt sehen. Er sagt: 
„Den Deutschen ist es gelungen, den Goldbestand der Reichsbank 
seit Beginn des Krieges um 1 Milliarde zu erhöhen. Man hat die Mittel, 
mit denen die Bank das erreicht hat, kritisiert und sich überaus lustig 
gemacht. Aber auch wenn nicht alle deutschen Maßnahmen gleich 
glücklich waren, so müssen wir doch das Ergebnis feststellen, das teil 
weise dem aufgeklärten Patriotismus einer gewissen Anzahl von Deut 
schen, die ihre Pflicht verstanden haben, zu verdanken ist. Nichts Ähn 
liches hat es bei uns gegeben. Jetzt aber ist es notwendig, dem deutschen 
Beispiel zu folgen und der Bank von Frankreich alles Gold zukommen 
zu lassen!“ 1 ) 
Das Volk kam diesen Bestrebungen aber nur langsam entgegen. Um 
aus dieser Bewegung sichtbare Erfolge zu erzielen, war man gezwungen, 
ihr gewisse Reizmittel zuzuführen. Von diesen beansprucht besonderes 
Interesse ein Vorschlag des Finanzministers Ri bot. Angeblich angeregt 
durch Bitten der Seine-Departement-Deputierten, bittet er die Noten 
bank in einem Schreiben — 2. Juli 1915, — besondere Schalter in Paris 
und in den Provinzen für den Goldannahmedienst zu eröffnen, um allen 
Gelegenheit zur Goldablieferung zu geben. Außerdem wünscht er, daß 
dem Einlieferer ein Belobigungszertifikat ausgefertigt werden solle, 
das Zeugnis davon gibt, daß der Goldeinlieferer seinen Schatz der Bank 
von Frankreich zum Dienst der nationalen Verteidigung zur Verfügung 
stellte. Dieses Zertifikat ist, eingerahmt und sorgsam im besten Zimmer 
sichtbar gemacht, in der Tat ein wirksames Mittel, um den ehrgeizigen 
Franzosen anzuspornen, eine patriotische Tat zu verrichten * 2 ). Der Gold 
bestand begann langsam zu steigen, und seit Anfang Juli nimmt er 
J ) Petit Journal, 18. Juni 1915. 
2 ) Im Februar des Jahres 1916 hat auch die Reichsbank den Entschluß gefaßt und 
in die Wirklichkeit übertragen, jedem Goldeiulieferer auf Wunsch ein Gedenkblatt für sein 
Gold — bei einer Mindestablieferungssumme von 200 Mk. — auszuhändigen. Dieses Ge 
denkblatt ist vornehm ausgerüstet und trägt die Worte, die von der Reichsbank in ihrem 
Verwaltungsberioht für 1914, S. 7 geprägt wurden. H. Koppe berichtet — es ist wohl 
zum ersten Male ausgesprochen — von einem anderen Lockmittel. Er sagt a. a. O. S. 739 
wörtlich: „Gegen die nationale Eigenheit der äußersten Zugeknöpftheit in Geldsachen 
spielte man klugerweise die noch stärkere der Eitelkeit aus, indem unter anderem das im 
republikanischen Frankreich heiß begehrte Kreuz der Ehrenlegion als Preis 
für Goldablieferung in Aussicht gestellt wurde. “
	        
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