Contents : Die Deutschen im Auslande

183

den  allerseltensten  Fällen,  nur  wenn  die  Glieder  der  Nation
durch  ein  stärkeres  Band  verbunden  werden,  als  die  Sprache  es
darbietet,  etwa  durch  eine  besondere  Stammesreligion,  geht  mit
der  Sprache  nicht  das  Nationalbewußtsein  und  die  Nationalität
selbst  verloren.  Unter  den  Deutschen  giebt  es  augenscheinlich
kein  stärkeres  Bindemittel  als  die  Sprache;  daher  ist  zur  Er.
Haltung  des  deutschen  Nationalbewußtseins  die  Erhaltung  der
deutschen  Sprache  unbedingt  erforderlich.
In  ganz  anderer  Weise  noch  dient  die  Sprache  dazu,  tas
natürliche  Band  zwischen  den  zu  derselben  Nation  gehörenden
Menschen  zu  stärken  und  zu  kräftigen.  In  den  Wendungen,
dem  Satzgefüge,  den  Bezeichnungen  jeder  Sprache  verbirgt  sich
ein  äußerst  reicher  Gedankeninhalt,  welchen  schon  das  Kind  unbewußt
  in  sich  aufnimmt,  und  daher  erzeugt  die  Gemeinsamkeit
der  Sprache  ganz  von  selbst  eine  gewisse  Gemeinsamkeit  der
Denkrichtung,  die  wiederum  durch  den  Gegensatz  gegen
Andersdenkende  das  Gefühl  der  Zusammengehörigkeit  unter  den
Gliedern  der  Elation  verstärkt.  In  weit  höherem  Maße  jedoch  als
durch  die  bloße  Sprache  wird  diese  Gemeinsamkeit  der  Denkrichtung
  hervorgerufen  durch  dasjenige,  was  der  Sprache  erst  den
eigentlichen  Werth  und  ihre  Würde  verleiht,  durch  die  nationale
Literatur.  Die  Literatur  eines  Volkes,  zu  welcher  selbstver.
stündlich  in  unserem  Sinne  auch  dessen  mündliche  tteberlieferungen
  zu  zählen  sind,  ist  gleichsam  die  Aufspeicherung  der  wahrend
seines  ganzen  Daseins  vollendeten  Geistesarbeit,  sein  geistiges
Kapital,  welches  gut  angelegt  ihm  die  reichsten  Zinsen  trägt.
Sie  ist  die  gemeinsame  BildungSquclle  aller  derjenigen,  welche
die  gleiche  Sprache  reden,  sie  flößt  diesen  eine  gemeinsame  Geschmacksrichtung. ­
  gemeinsame  Joeen  ein,  sie  erhält  und  veredelt
den  Nationalcharakter  und  erhöht,  was  damit  unzertrennlich  ver.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.