Full text : Konzentrationstendenzen im badischen Bankgewerbe

29

Der  äußere  Entwicklungsgang  der  Oberrheinischen  Bank
bekundet  starke  dezentralisierende  Tendenzen:  Aus  der  Mannheimer ­
  Bankfirma  Köster  &  Co.  wurde  sie  im  Jahre  1883  als
Aktienbank  mit  einem  Kapital  von  3  Mill.  Mark  unter  der  Firma
Kösters  Bank  A.-G.  gegründet.  Aus  ihrer  inneren  Geschäftstätigkeit ­
  ist  ihr  auf  eine  hohe  Stufe  gebrachtes  Wechselinkassogeschäft
hervorzuheben,  das  sie  als  Spezialität  nach  französischem  Muster
betrieb  und  in  dem  sie  (nach  Ph.  Bauers  Aktienunternehmungen
in  Baden)  seinerzeit  in  Deutschland  von  keinem  anderen  Kreditinstitut ­
  soll  übertroffen  worden  sein.  Sie  hatte  für  diesen  intensiv
betriebenen  Geschäftszweig  einen  eigenen  umfangreichen  Inkassotarif ­
  in  drei  Sprachen  verfaßt  herausgegeben,  worin  sie  die
Spesen  für  den  Einzug  von  Wechseln  auf  jeden  bedeutenderen
Handelsplatz  der  Welt  zusammengestellt  hatte.  Dieser  Tarif
versah  für  die  damalige  Zeit  zugleich  die  Dienste  eines  handelsgeographischen ­
  Lexikons.
Mit  der  Gründung  der  A.-G.  verbunden  war  gleichzeitig
die  Errichtung  ihrer  beiden  ersten  Niederlassungen  in  Heidelberg
und  Frankfurt  a.  M.  Im  Verlauf  des  ersten  Jahrzehnts  ihres
Bestehens  zeigte  sie  dann,  solange  noch  ihre  Zentrale  in  Mannheim ­
  isoliert  dastand,  keine  weiteren  Expansionsgelüste.  Im
Gegenteil  mußte  sie  ihre  Frankfurter  Niederlassung  im  Jahre  1894
liquidieren.  Auch  zeigt  ihre  innere  Geschäftsentwicklung  keine
Merkmale  einer  erheblichen  Ausdehnung  ihrer  kreditvermittelnden
Tätigkeit,  was  daraus  hervorgeht,  daß  ihre  Betriebsmittel  auf
ungefähr  derselben  Höhe  blieben.
Erst  die  Generalversammlung  vom  11.  April  1894  bildet
den  Wendepunkt  in  ihrem  Werdegange.  Hier  wurde  eine  Kapitalserhöhung ­
  auf  5  Millionen  beschlossen,  wobei  die  Deutsche  Bank
zum  ersten  Male  in  die  Geschicke  der  Oberrheinischen  Bank
eingriff,  indem  sie  die  Neuemission  garantierte  und  zugleich  die
Einführung  der  Oberrheinischen  Bankaktien  an  den  Börsen  zu
Berlin  und  Frankfurt  a.  M.  beantragte  und  erwirkte.  Von  nun
an  gerät  das  Mannheimer  Institut  immer  mehr  in  das  Schlepptau ­
  der  Berliner  Großbank.  Hierbei  schlug  die  Deutsche  Bank
zur  Erreichung  ihres  gewünschten  Zieles  einen  für  jene  Zeit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.