202 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
Elemente nennen, nicht das geringste zu tun hatten; denn
diese werden von der Naturwissenschaft als quantitativ, näm—
lich als an erster Stelle durch ihr Atomgewicht unterschiedene
Stoffe betrachtet: die aristotelischen Elemente dagegen sind
stoffliche Vertreter von Qualitäten.
Den aristotelischen Charakter der Elemente wiesen auch noch
alle die Elemente auf, die das mitteleuropäische Mittelalter, ja
teilweise noch die Spekulation des 16. und 17. Jahrhunderts über
die vier Elemente hinaus aufstellte: so die Metalle, insbesondere
das Quecksilber oder der Schwefel oder das Salz: denn auch
sie waren nur Repräsentanten von Qualitäten, welche den
Stoffen inhärent und als ihr Wesen konstituierend gedacht
wurden. Dabei erschien es denn als ganz selbstverständlich,
daß es möglich sein müsse, die Eigenschaften eines bestimmten
Körpers auf einen anderen zu übertragen, und nicht minder
lag der Gedanke nahe, daß es einen Körper mit einer In—
härenz aller Eigenschaften geben müsse, die dann von ihm
überallhin übertragbar wären. So kam es zu der Konzeption
der uns auf den ersten Blick höchst seltsam erscheinenden Lehre
vom Stein der Weisen, und zu den tausend und abertausend
Versuchen der Goldmacherei im 17., ja noch im 18. Jahrhundert.
Sehen wir aber von diesen Auswüchsen der qualitativen
Stofflehre ab: ist sie etwa an sich so absurd? Wäre es nicht
in der Tat denkbar, daß nicht die Stoffe an sich, wohl aber
ihre letzten Elemente, mag man sie nun als Atome oder sonst⸗
wie bezeichnen, sich dadurch unterschieden, daß ihnen qualitativ
differente Kräfte oder wenigstens Kraftformen inhärent wären?
Sicher ist, daß sich die Entwicklung der Chemie seit dem
17. und 18. Jahrhundert weit von solchen Vorstellungen ab—
wandte; denn sie entsprachen nur wenig dem Intellektualismus
des individualistischen Zeitalters. Sie nahm vielmehr die
Richtung auf eine Anschauung der Konstitution der Körper,
wonach diese aus kleinsten Teilchen zusammengesetzt galten, die
sich unter sich wieder nur auf mechanische Weise, durch Summe,
Lagerung und allenfalls auch Bewegung unterschieden. Dabei
hielt man eine Hypothese dieser Art bald für eine unwandelbar