XIV
Vorwort des Herausgebers.
Ökonomie und des Sozialismus“, deren letzte (vierte) Auflage von
1900 der greise Gelehrte noch selbst besorgt hat. Das Buch ist also
verhältnismäßig modern und könnte von diesem Gesichtspunkt aus
genügen: es ist aber leider zum Teil von so verrannter Einseitigkeit
des Gesichtspunktes und so offenbarer Ungerechtigkeit des Urteils,
daß man es dem Anfänger kaum ohne Schaden in die Hand geben
darf; daß der Vorgeschrittene unendlich viel daraus lernen kann, wie
auch aus den anderen Schriften des unglücklichen Genius, bedarf
keiner ausdrücklichen Feststellung.
Die zuerst 1905 (bei Gustav Fischer, Jena) erschienene und seit
dem öfters aufgelegte „Geschichte der Nationalökonomie“ von Adolf
Damaschke bezeichnet sich selbst bescheiden als „erste Einführung“.
Das Buch ist nur für Anfänger und Laien bestimmt und könnte daher
den Zweck, eigentlichen Fachmännern und älteren Studierenden des
Faches zu dienen, selbst dann nicht erfüllen, wenn es die Absicht
rein objektiver Belehrung und Kritik hätte. Aber es hat diese Ab
sicht nicht. Es ist ein Buch der Propaganda für die Ideen der
Bodenreform, namentlich in der Hexet GEOEGB’schen Prägung, und
als solches bewußt einseitig.
Ganz neu ist allerdings die Arbeit von Eugen Feidexchowitz
„Grundriß einer Geschichte der Volkswirtschaftslehre“ r ) — aber nach
der, soweit ich sehen kann, einstimmigen Verwerfung des Buches
durch die wissenschaftliche Kritik ist es wohl nicht fähig, die Lücke
zn schließen, die wir beklagen.
Zwei andere sehr bedeutsame Werke deutscher Autoren ans
neuester Zeit sind leider unvollendet geblieben, August Onckbn’s
„Geschichte der Nationalökonomie“ * 2 ) und Geoeg Adlee’s „Geschichte
des Sozialismus und Kommunismus“ 3 ), die beiden Arbeiten, die be
stimmt waren, im „Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften“ 4 5 )
sich zu einer vollen Geschichte der Ökonomik zu ergänzen. Beide
Werke brechen ungefähr zur gleichen Zeit ab, Oncken vor Adam
Smith, Adlee vor der französischen Revolution. Was bereits vor
liegt, ist wohl allgemein als meisterhaft anerkannt — aber es ist
zum Unglück doch gerade nur das Vorspiel zu dem eigentlichen
Thema gewesen.
Außer diesen Werken deutscher Verfasser B ) sind in Deutschland
*) München und Leipzig 1912.
2 ) Leipzig 1902.
s ) Leipzig 1899.
4 ) Begründet von Kuno Feankenstein, fortgesetzt von Max y. Heckel.
5 ) Hier können nur die allgemeinen Darstellungen von größerer Ausführlichkeit
in Frage kommen. Dogmenhistorische Abhandlungen, wie z. B. die von MoHL’schen,
die nur einzelne Gebiete behandeln, oder kurze Darstellungen in Lehrbüchern, selbst