520 DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Mohammedaner glaubten, daß der Kaffee ein erlaubter Ersatz
für den vom Koran verbotenen Wein sei. Von Konstantinopel
dürften die Venezianer den Kaffee wohl mit in ihre Heimat
gebracht haben, wo dann das erste Kaffeehaus erstand, wie ich
bereits erzählte.
In dem arabischen Kaffeehaus, wo wir uns von langer
Gedankenreise ausruhen, herrscht interessantes, für uns unge-
wohntes Leben. Es ist Abend geworden, und von allen Seiten
kommen Karawanen herangezogen. Die Kehle ist trocken, die
lange Wanderung im Sonnenbrand des Tages machte müde.
Der braune Trank soll neues Leben verleihen. Bald ist das
kleine Kaffeehaus gefüllt. Wenn wir auch glauben, daß die
Gäste gelangweilt oder übermüdet auf ihren Matten hocken, so
irren wir uns. Es wird, aber mit echt orientalischer Ruhe,
„lebhaft‘“ gehandelt. Man debattiert über dies und das, über
Preise, über Maßnahmen des herrschenden Kaids, über die
Zunahme der eigenen Hammelherden, über die drückenden
Steuern. Ganz wie bei uns! Ist alles durchgesprochen, dann geht
man zum königlichen Spiel, zum Schach, über. Stundenlang
kann eine Partie dauern. Nichts stört die Spieler in ihrer
stoischen Ruhe. Bis man zur Ruhe geht.
Aber schon um 5 Uhr morgens beginnt in jenen Ländern des
nördlichen Afrikas der neue Tag. Im Kaffeehaus wird es wieder
lebendig. Karawanenführer, Kaufleute, Pferdehändler, Kamel-
treiber und Eseltreiber treffen sich hier. Man umdrängt den
Kaffeehausbesitzer, der niemals seine Ruhe verliert und einem
nach dem andern seiner frühen Gäste die Schale mit dem
heißen Trank reicht. Jede Schale frisch bereitet. Von jener
geheimnisvollen schwarzen Farbe, die bald rot, bald gelb
schimmert. Von dem inneren Feuer, das die Lebensgeister
weckt, während man die ersten Schlucke schlürft. Man denkt
dabei mitleidig an jene modernsten Maschinen in Europa, die
es in den Massenbetrieben unserer Kaffeehäuser ermöglichen
wollen, jedem Gast eine frische, extra für ihn bereitete Tasse
Kaffee zu spenden. Wie im arabischen Kaffeehaus. Man erzähle
das einem dortigen Kaffeehausbesitzer. Er wird in seiner
orientalischen Ruhe lächeln über die Ungläubigen, die glauben,
daß eine „Maschine“ das fertig bringen könne. Nach einer
Stunde ist es im Kaffeehaus wieder still geworden. Der Besitzer
ordnet, sammelt die leergetrunkenen Schalen, und wenn er
dieses Tagewerk vollbracht, so wird er sein eigener Gast. Er