Full text : München als Industriestadt

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vor  Eröffnung  der  Gießerei  hatte  Kustermann  den  Kohlenhandel ­
  betrieben;  seit  einigen  Jahren  wird  außer  den  verschiedenen ­
  Sorten  von  Kohlen,  Koks,  Briketts,  Torf,  Holzkohlen
auch  Brennholz  geführt,  und  wurde  zu  diesem  Zwecke  eine
elektrisch  betriebene  Spalterei  eingerichtet.
Im  Jahre  1872  hatte  dann  Kustermann  die  industrielle
Tätigkeit  begonnen.  Eine  mechanische  Werkstätte  mit  einer
6  PS  Dampfmaschine  wurde  errichtet.  Aber  schon  1877  erfolgte ­
  der  Bau  einer  Eisengießerei  und  großen  Werkstätte
für  Holz-  und  Eisenbearbeitung,  sowie  eine  Gießerei  zur  Erzeugung ­
  von  schmiedbarem  Guß,  ausgestattet  mit  einer  80  PS-Dampfm
  aschine.
Heute  arbeitet  die  Fabrik  mit  2  Dampfmaschinen  von
ca.  400  PS,  etwa  420  Hilfsmaschinen  und  Aufzügen,  6  Kupolöfen, ­
  6  Trockenöfen,  10  Schmelz-  und  Glühöfen.  Das  Etablissement ­
  ist  durch  ein  Industriegeleise  direkt  mit  dem  Ostbahnhof ­
  verbunden,  und  sind  außer  den  etwa  4000  m  langen
Rangiergeleisen  noch  Rollbahnen  mit  ca.  4500  m  Gesamtlänge,
mit  ca.  50  Drehscheiben  und  etwa  100  Rollwagen  vorhanden.
Die  Erzeugnisse  der  Gießereien  umfassen  alle  Arten
von  Bau-,  Handels-  und  Maschinenguß,  schmiedbarem  Eisenguß ­
  sowie  Kunstguß  in  Eisen,  Bronze  und  Zink;  speziell  werden ­
  auch  Kandelaber  und  Stalleinrichtungen  angefertigt.  Das
Eisenkonstruktionswerk  befaßt  sich  mit  Arbeiten  für  Eisenhochund
  Brückenbau,  Bau-  und  Kunstschlosserei  und  allgemeinen
Maschinenbau.
In  dem  Fabrikbetrieb 1  sind  nahezu  600  Arbeiter  tätig,  unter
denen  sich  etwa  35  Lehrlinge  befinden.  Bei  den  Tagelöhnern,
d.  h.  den  einfachen  Eisenarbeitern  kommt  nur  der  ortsübliche ­
  Tagelohn  mit  durchschnittlich  4.30  Mark  zur  Verrechnung. ­
  Bei  den  gewerblichen  Arbeitern,  den  Gießern,  Schlossern, ­
  Schmieden,  Zimmerleuten,  Schreinern  und  Anstreichern
herrscht  Akkordlohn.  Der  Stundenlohn  dieser  „Professionisten“
schwankt  zwischen  45  und  65  Pfennig.  Die  meisten  Arbeiter
gehören  dem  deutschen  Metallarbeiterverband  an,  der  Rest
verteilt  sich  auf  die  einzelnen  Berufsgewerkschaften.  Auch  diese
Firma  erkundigt  sich  nicht  darnach  und  bezieht  ihre  Arbeiter
ebenfalls  durch  Vermittlung  des  Arbeitsnachweises  des  Ver ­
            
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