Full text: München als Industriestadt

142 
Als einzigen Großbetrieb wollen wir die Schuhfabrik 
Monachia vop Gebr. Regensteiner in den Bereich 
unserer Untersuchung ziehen. Sie wurde im Jahre 1885 ge 
gründet und ging aus einem Zwischenhandel mit Schuhwaren 
hervor. Man sah, daß das Handw'erk nicht fähig war der 
immer rascher wechselnden Mode und der steten Änderung 
in der Geschmacksrichtung, noch viel weniger aber der steigen 
den Nachfrage zu genügen. Infolgedessen machte man sich 
bei der Neugründung die Umwälzung der Technik in der 
Schuhwarenverfertigung, wie dies die Schuhzentrale Pirmasens 
lehrte, zu Nutzen und führte rein maschinellen Betrieb ein, der 
stets vervollkommnet und dem Bedarf entsprechend auch durch 
neue Maschinen ergänzt wurde. Heute laufen in ununter 
brochener Tätigkeit neben verschiedenen Hilfsmaschinen etwa 
130 Arbeitsmaschinen, wie Zwick-, Durchnäh-, Absatzbau-, 
Stanz- und Steppmaschinen allerneuester und praktischster Kon 
struktion. Die elektrische Kraft zum Einzelantrieb der Motore 
liefern die Isarwerke. 
Heute kann infolge dieser Verbesserung der Technik das 
sechsfache von derselben Anzahl Arbeiter hergestellt werden 
wie vor etwa 15 Jahren, was bei dem gesteigerten Bedarfe 
einen enormen Fortschritt und Gewinn bedeutet. Ein Schuh 
geht aber auch infolge der äußersten maschinellen Arbeits 
teilung vom Rohmaterial (Leder) an gerechnet bis zu seiner voll 
ständigen Fertigstellung zum Versand durch 85 bis 90 Hände. 
Und trotzdem wird die Begabung des einzelnen Arbeiters voll 
kommen ausgebildet, da er seine Maschine genau kennen muß, 
damit sie nicht durch Stillstand ihm weniger Verdienst einbringt. 
Die Arbeiter wurden bei der Gründung der Fabrik aus Mainz 
und Pirmasens bezogen, weil daselbst die Industrie schon 
länger heimisch war. Allmählich zog man ungelernte junge 
Arbeiter aus der Umgegend von München und aus der Stadt 
selbst heran, um sie auszubilden. Heute ergänzt man diesen 
Arbeiterstamm gern durch Einstellung von jugendlichen Ar 
beitskräften im Alter von 14—15 Jahren, denen man als Lehr 
linge sofortige Bezahlung gewährt. Die Zeit, bis zu welcher 
der herangebildete Arbeiter zu seiner Volleistung gelangt, hängt 
von seiner Geschicklichkeit und seinem Willen ab und ist deshalb
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.