Full text: München als Industriestadt

der Industrie an bestimmte, zumeist nicht sehr zahlreiche'Stand 
orte gelingt. 
Von den verschiedenen Berufszvveigen zeigen vor allem 
die mit dem künstlerischen und literarischen Leben verknüpf 
ten Industrien einen stark großstädtischen Zug: von den in 
künstlerischen Gewerben tätigen Personen wurden 64,6 °/o, von 
den im polygraphischen Gewerbe beschäftigten mehr als die 
Hälfte (53,5 o/o) als Eingeborene in der Zählgemeinde Mün 
chen gezählt. Nicht so stark herrscht die Stadtbevölkerung 
vor in einigen Wirtschaftszweigen, obwohl auch sie noch erheb 
lich ist: in der Maschinenindustrie, der Industrie forstwirtschaft 
licher Nebenprodukte, der Metallindustrie, im Reinigungs 
gewerbe, in der Lederfabrikation und anderen. 
Zweifellos fällt hier die geographische Verteilung der In 
dustrie stark ins Gewicht, wie dies uns später deutlich vor 
Augen treten wird. Wir wollen es aber nicht unterlassen, 
schon jetzt darauf hinzuweisen, daß dies zum Teil mit natür 
lichen Verhältnissen zusammenhängt, teils auch mit histori 
schen; trotzdem beeinflußt gerade die geographische Industrie 
verteilung sehr stark die Verteilung der Wirtschaftszweige auf 
die einzelnen Siedlungsgruppen. — 
Diese Arbeiterschaft, die nach München gezogen wird, 
müssen wir, wie schon bei Betrachtung der Gebürtigkeit ge 
schehen, in die zwei sozial wichtigen Gruppen der gelernten 
und ungelernten Arbeiter teilen. Die gelernten Arbeiter stehen 
ihren Arbeitgebern in einer weit günstigeren Position gegen 
über, weil vermöge der für die Ausübung ihres Berufes er 
forderlichen Vorbildung das Angebot von Arbeitern in der 
Regel ein beschränktes ist und zwar besonders in den günstig 
sich entwickelnden Industrien, bei denen der gewerblich-ge 
lernte Nachwuchs sich in engen Grenzen bewegt. Je höher 
qualifiziert eine zu leistende Arbeit ist, um so sicherer ist die 
Stellung der sie verrichtenden Arbeiter, desto höher ist der 
Lohn und desto mehr sind die Arbeiter vor Entlassung und 
damit vor Arbeitslosigkeit und Not geschützt. Der gelernte 
Arbeiter, insofern er nicht ortsgebürtig ist, vermag infolge seiner 
guten beruflichen Schulung und auch infolge seiner Zugehörig 
keit zu einer Organisation viel weiter zu wandern wie der
	        
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