Full text : München als Industriestadt

fördert  die  oberbayerische  Aktiengesellschaft  für  Kohlenbergbau ­
  jährlich  über  1 / 2  Millionen  Tonnen  Kohlen,  aber  diese
Kohle  kann  sich  in  Bezug  auf  Qualität  gar  nicht  messen  mit
guten  Steinkohlen  und  ist  auch  nicht  zu  billig,  infolge  der
erheblichen  Kosten  des  Abbaus.  Die  oberbayerischen  Kohlengruben ­
  liefern  tatsächlich  nur  eine  Art  Mineral-  oder  Pechkohle, ­
  d.  h.  nach  den  Angaben  des  kgl.  Oberbergamts  eine
„Braunkohle,  welche  der  Steinkohle  ähnliche  Qualitäten  besitzt“. ­
  Diese  Kohle  hat  neben  allzugroßer  Schlackenmenge
eine  zu  geringe  Heizkraft,  als  daß  sie  für  die  Industrie
direkt  brauchbar  wäre.  Erst  der  Einbau  des  sogenannten  kontinuierlichen ­
  „Münchener  Stufenrostes“  in  die  Kesselanlage
läßt  eine  beschränkt-industrielle  Verwertung  zu.  Für  München ­
  kommen  diese  Kohlen  deshalb  meist  nur  für  den  Hausbrand ­
  in  Betracht.  Die  Folge  davon  sind  wiederum  große
Auslagen  an  Kohlenfrachten,  denn  man  ist  genötigt,  den
schwarzen  Diamanten  in  Hauptmengen  aus  dem  Saargebiet,
bezw.  Rheinland-Westfalen  und  Schlesien  zu  beziehen.  Jährlich ­
  werden  nahezu  30  Millionen  Mark  an  Fracht  zu  dem
Zwecke  einer  geeigneten  Kohlenversorgung  ausgegeben.
Wäre  der  Ludwig-Donau-Mainkanal  nicht  zu  umständlich
und  veraltet  und  müßte  man  nicht  bei  121  km  Länge  146  Schleusen ­
  passieren,  so  würden  diese  Frachten  schon  erheblich
verringert  werden.  Daß  eine  Besserung  dieser  Verhältnisse
in  den  nächsten  Jahrzehnten  schon  geschehen  wird,  dafür  bürgt
das  Wort  des  bayerischen  Ministers,  Freiherrn  von  Hertling,
in  der  Kammer  der  Abgeordneten  im  April  1912:  „Für  eine
größere  Ausgestaltung  unseres  Wasserwegs  nach  modernem
Bedürfnis  ist  die  Mainkanalisierung  die  unentbehrliche  Voraussetzung. ­
  Nach  Verabschiedung  des  Gesetzes  über  die
Schiffahrtsabgaben  ist  die  Mainkanalisation  in  absehbare  Nähe
gerückt  und  in  nicht  allzuferner  Zeit  wird  der  erste  Spatenstich ­
  geschehen  können.“  Auf  die  vielen  anderen  Projekte
einzugehen  erlaubt  uns  der  gesteckte  Rahmen  der  Arbeit  nicht.
Erwähnen  aber  wollen  wir,  daß  man  durch  die  Speisung  eines
Kanals  seitens  der  Isar,  Amper  und  des  Lech  eine  Verbindung
von  München  mit  dem  Main  bei  Uffenheim  zu  bewirken  und
von  hier  den  Kanal  in  gerader  Linie  direkt  an  den  Rhein
            
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