Full text : München als Industriestadt

34

In  engster  Beziehung  zu  dieser  eigentlichen  Beschaffungsmöglichkeit ­
  steht  natürlich  die  Lohnfrage,  von  welcher  bei
einzelnen  Industrien,  namentlich  bei  solchen  mit  viel  Arbeitsinvestition ­
  in  das  Fertigprodukt,  die  Wahl  des  Standorts  vollkommen ­
  abhängig  werden  kann.
Auch  die  Grunderwerbskosten  können  bei  Neuanlagen  von
größter  Bedeutung  werden,  wenn  sie  nicht  in  der  Regel  den
Ausschlag  geben.  Wenn  auch  München  gute  überallhin  geführte ­
  Bahngleisansehlüsse  besitzt,  wenn  es  auch  ergiebige
Wasserleitung  und  beste  Kanalisation  zum  Zwecke  der  Entfernung ­
  einer  reichlichen  Abwassermenge  aufweist,  so  wurden
schon  viele  Industrien  von  der  Erwerbung  eines  Bauplatzes
abgeschreckt  durch  die  allzuhohen  Grundstückskosten  und  die
erheblich  gesteigerten  Steuern,  Gemeindeumlagen  wie  Staatssteuern. ­

Und  gerade  die  Einführung  der  neuen  bayerischen  Steuergesetzgebung ­
  im  letzten  Jahre,  welche  die  Aktiengesellschaften
und  Gesellschaften  mit  beschränkter  Haftung  ganz  außerordentlich ­
  belastet,  droht  in  jeder  Hinsicht  der  Stadt  München  unberechenbaren ­
  Schaden  zuzufügen.  Da  die  Gesellschaften  mit
beschränkter  Haftung,  beziehungsweise  deren  Gesellschafter,
unter  diesen  neuen  Steuergesetzen  eine  Doppelbesteuerung
zu  ertragen  haben,  indem  sowohl  das  Gewinnergebnis  der
Gesellschaft  als  auch  der  Gewinnanteil  des  einzelnen  Gesellschafters ­
  besteuert  wird,  haben  verschiedene  Großindustrien
und  Großhandelshäuser  in  München  als  Gegenwirkung  neben
der  G.  m.  b.  H.  eine  Kommanditgesellschaft  gegründet.  Dabei
ist  die  G.  m.  b.  H.  der  persönlich  haftende  Gesellschafter,
der  „Gerant“,  mit  festem  Bezüge,  sodaß  der  Gewinn  nicht
in  Frage  kommt  und  so  die  eigentlichen  Mitglieder  der
G.  m.  b.  H.  nur  mit  einer  geringeren  Ertragsanlage  besteuert
werden.  Große  wirtschaftliche  Schäden  aber  müssen  für  die
an  sich  industriearme  Stadt  entstehen,  wenn  diese  steuerkräftigsten ­
  Gesellschaften  ihren  Sitz  außerhalb  Münchens  und
Bayerns  verlegten,  denn  mit  ihnen  ziehen  sie  auch  ihre  steuerzahlenden ­
  und  ihr  Gehalt  hier  verzehrenden  Beamten  mit
fort;  ganz  abgesehen  davon,  daß  diese  Unternehmen  sich  auf
dem  Gebiete  der  gemeinnützigen  Bestrebungen  in  bezug  auf
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.