Full text: München als Industriestadt

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den Steintransport in Frage. Die Entlohnung, Arbeitszeit und 
sonstige Obliegenheiten der Arbeiter sind geregelt durch die 
Tarifbestimmungen des Arbeitgeberverbandes mit dem soge 
nannten „Senefelderbund“, dem „Verband der Lithographie 
und Steindrucker und verwandte Berufe Deutschlands“ und 
dem deutschen Buchbinderverband. Die Löhne der männlichen 
Arbeiter schwanken zwischen 17,50 und 28 Mark, die der weib 
lichen Arbeitskräfte zwischen 7 und 14,50 Mark pro Woche. 
Alle Arbeiter sind bis zum letzten Mann stark organisiert und 
einem nichtorganisierten ist es wegen der allseitigen Anfein 
dung durch die organisierten Arbeiter auch beim besten Wil 
len nicht möglich im Betriebe zu bleiben. Der Betrieb ist 
sehr abhängig von geschickten Arbeitern und den Künstlern, 
die in München ansässig sind. Arbeiter selbst stellt die Firma 
nur unter Vermittlung des Senefelderbundes ein. Mäd 
chen, die als Hilfsarbeiterinnen zum Zählen und Sortieren 
der Karten Verwendung finden, werden teils durch Annoncen, 
teils bei freier Anmeldung oder Nachfrage in den Betrieb 
aufgenommen. Diese lithographisch-artistische Anstalt ist im 
Gegensatz zu allen ähnlichen ihrer Branche eine arbeits 
orientierte Industrie. Sie stellte ihre Produkte, Luxus 
kalender und Postkarten im „Phantasiegenre“, fast ausschließ 
lich für den Export her, der zu zweidrittel nach England und 
Amerika, wo in London und New-York eigene Filialen bestehen, 
und ein Drittel nach dem engeren Deutschland und Europa 
geht, mit Vertretern in Berlin, Paris und Wien. Der Konsum in 
der Stadt München kommt nach den uns gemachten Angaben 
für die Firma noch weniger in Betracht wie irgend eine deut 
sche Großstadt, etwa Köln. Auch das Rohmaterial wird mit 
wenig Ausnahmen von auswärts bezogen. So kommt das 
Chromopapier aus Sachsen, die für die Ausstattung benützte 
Seide aus den Rheinlanden und der Schweiz, die Farben ent 
stammen den Farbfabriken in Berlin, Dresden, Stuttgart und 
nur zum kleinsten Teil der eigenen Stadt. Die Lithographie 
steine werden wohl großenteils den Solnhofener Brüchen ent 
nommen, aber auch in größeren Mengen von Mailand bezogen. 
Die verwendeten Maschinen, wie Schnellpressen und Papier 
bearbeitungsmaschinen sind ausschließlich deutsches Fabrikat,
	        
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