Full text : München als Industriestadt

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kreises  im  Detailhandel.  Ein  lebhafter  Aufschwung  des  Betriebs ­
  hatte  einen  Neuaufbau  des  Fabrikanwesens  zur  Folge.
Der  Absatz  wurde  rasch  größer,  wenn  auch  der  Hauptbestandteil ­
  der  Fabrikation  nach  wie  vor  die  Herstellung  von  Kerzen
für  den  katholischen  Kultus,  also  für  die  Kirchen  war.  Außerdem ­
  wurden  auch  noch  andere  Artikel  des  Wachsziehergewerbes ­
  wie  Wachsstöcke,  Weihnachtslichter,  dekorierte  Kirchenkerzen, ­
  Jesukinder,  Engel,  überhaupt  bossierte  Wachswaren, ­
  Wachs  für  technische  Zwecke  und  vieles  andere  hergestellt. ­
  Heute  besitzt  die  Firma  einen  hohen  Ruf,  ihre  Artikel
sind  gesucht  nicht  nur  in  Deutschland,  auch  in  anderen  Länderen ­
  des  Kontinents,  sie  versendet  viele  ihrer  Artikel  sogar
über  den  Ozean.  Ein  besonderes  Gewicht  wurde  von  dieser
Münchener  Wachswarenfabrik  auf  eine  künstlerische  Ausgestaltung ­
  der  Fabrikate  gelegt.  Das  war  von  jeher  einej  Hauptstärke
der  Münchener  Wachsindustrie.  Die  Überlegenheit  auf  diesem
Gebiete  hat  sie  sich  nicht  nur  bis  zum  heutigen  Tag  erhalten,
sondern  auch  noch  wesentlich  gesteigert.  Maßgebend  für  die
Gründung  der  Wachsindustrie  in  München  waren  nicht  etwa
billige  Arbeitskräfte  und  billiger  Boden,  sondern  der  Konsum
und  in  der  weiteren  Entwicklung  der  Industrie  auch  der  Ruf
Münchens  als  Kunststadt.  Daß  die  Wachsindustrie  in  München ­
  konsumorientiert  sein  muß,  geht  auch  daraus  hervor, ­
  daß  es  die  Beschaffung  billigen  Rohmateriales  jedenfalls
nicht  sein  konnte,  welche  ihre  Bodenständigkeit  schuf,  denn
die  Wachsindustrie  in  ihrer  heutigen  bedeutenden  Ausdehnung
leidet  unter  den  schwierigen  Verkehrsverhältnissen,  welche  die
geographische  Lage  Münchens  verursacht,  ebensosehr  wie
andere  Industrien,  die  sich  hier  einst  festgesetzt  haben  und
groß  geworden  sind.
Als  Haupt-Rohmaterial  wird  Bienenwachs  verarbeitet,
welches  aus  fast  allen  Ländern  bezogen  wird.  —  Die  einheimische ­
  Produktion  an  Bienenwachs  reicht  für  den  heutigen
Konsum  bei  weitem  nicht  aus  und  ist  qualitativ  oft  wenig  den
Anforderungen  entsprechend.  Infolgedessen  wird  Wachs  aus
Süd-Amerika,  Ägypten,  Deutsch-Ost-Afrika,  Tunis,  überhaupt
aus  dem  französischen  Nord-Afrika  bezogen,  welches  die  feinsten ­
  Qualitäten  darstellt.
            
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