Full text : München als Industriestadt

72

ihren  Betrieb  aufgenommen,  der  jedem  Kulturhistoriker  gefallen
wird:  die  .Wachsabgüsse  aus  Jahrhunderte  alten  „Holzmodeln“.
Heute,  wo  der  naiven  alten  Volkskunst  mit  Recht  so  intensives ­
  Interesse  entgegengebracht  wird,  ist  es  zu  begrüßen,  daß
mit  den  im  Original  dargestellten  Wachsgußarbeiten,  die  auch
in  jedem  Wohnraum  köstlich  dekorativ  wirken,  der  Sinn  für
solche  Kunstarbeiten  wieder  geweckt  wird.  Bis  an  den  Ausgang ­
  des  XVI.  Jahrhunderts  reichen  diese  Originalmodel  zurück, ­
  Model  aus  Birnbaumholz  geschnitten  und  in  Museen
aufbewahrt.  Die  verschiedenen  Wachsfiguren,  nach  diesen  Modeln ­
  in  rotem  Wachs  gegossen,  oft  auch  naturgetreu  bemalt,
bilden  eine  Serie  ganz  reizender  Kulturdokumente  einer  längst
entschwundenen  Zeit,  deren  manches  dem  Freunde  echter
Volkskunst  dauernde  Freude  bereiten  wird.
Mit  der  neuzeitlichen  Entwicklung  der  Stadt  München  gewachsen ­
  und  groß  geworden,  verdankt  auch  die  Herstellung ­
  künstlicher  Blumen  namentlich  der  Pflege  von
Kunst  und  Kunstgewerbe,  durch  welche  das,  Königshaus  die
Stadt  München  zur  Metropole  im  Reiche  künstlerischen  Schaffens ­
  emporgehoben  hat,  ihre  Entstehung  und  reichste  Förderung. ­
  Verfeinerte  Bedürfnisse  und  Lebensansprüche  mit  der
Entwicklung  Münchens  bei  dem  Publikum  im  allgemeinen  und
ein  für  Schönheit  und  Schmuck  empfänglicher  Sinn  besonders
bei  den  Damen  hatte  schon  längst  der  französischen,  insbesondere ­
  der  Pariser  Industrie  künstlicher  Blumen  ein  günstiges
Absatzgebiet  geschaffen,  als  Fräulein  Antoinette  von  Heckei
den  Gedanken  faßte,  die  Herstellung  künstlicher  Blumen  nach
den  von  der  französischen  Industrie  dargebotenen  Mustern
aufzunehmen.  Der  sich  immer  mehr  ausdehnende  Kunstsinn
der  Münchener  Bevölkerung  kam  zu  Hilfe.  Elemente  aus  höheren ­
  Kreisen,  zu  denen  sich  bald  die  Töchter  kleiner  Beamten
und  Bürger  gesellten,  bildeten  zusammen  einen  Arbeitsstock,
dem  es  bald  gelang  die  Fabrikation  schrittweise  auf  die  mannigfaltigsten ­
  Sorten  von  Blüten,  Blumen  und  Blättern  auszudehnen
und  qualitativ  auf  die  Höhe  der  Pariser  Industrie  zu  bringen.
So  wurde  die  Herstellung  künstlicher  Blumen  in  München
eingeführt  und  bald  in  einem  Betriebe  zur  höchsten  Blüte  gebracht ­
  durch  Josef  von  Heckei,  dessen  Wirken  fruchtbar  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.