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Recht. Daß der Chilesalpeter für den Landwirt die größten Bequem
lichkeiten bietet, ist nicht zu bezweifeln: zu jeder Zeit anwendbar, ohne
größere Vorsicht auszustreuen, nach anzuwendender Menge und Ver
wendungsart altgewohnt, und von in der Praxis sehr angesehener
Seite den übrigen Stickstoffdüngemitteln Wohl nicht immer auf Grund
sicheren Beweisnmterials stark vorangestellt, hat er seine führende Stel
lung vor dem Kriegs noch unbeschränkt besessen. Unsere deutsche Land
wirtschaft, die nach dem Kriege durch Mangel an Arbeits- und Spann
kräften, Futtermitteln und Vieh, sowie an leitenden Männern für viele
Wirtschaften, wohl auch durch Schwierigkeiten im Geldverkehr mehr als
je ihre volle Tatkraft in Anspruch genommen finden wird, dürfte
dann freiwillig ganz sicherlich nicht geneigt sein, Düngemittel anzuwen
den, die ihr in der Kriegszeit zwar bekannt geworden sind, die aber
doch Unbequemlichkeiten, Schwierigkeiten und anch geringere Erfolge
entweder wirklich oder vernieintlich bieten. Daran werden auch mäßige
Preisherabsetzungen der anderen Stickstoffdüngemittel gegenüber dem
Chilesalpeter nicht viel ändern, zumal man zunächst überhaupt der Nei
gung begegnen wird, den Bezug der kostspieligen Stickstoffdünger etwas
einzuschränken. Nutzen nun die englischen Salpeterproduzenten die
Gunst der Stunde durch eine Herabsetzung der Chilesalpeterpreise aus,
so ist nicht wohl abzusehen, wie die deutsche Stickstoffindustrie, falls ihr
der Schutz eines Monopols oder ähnlicher Einrichtungen fehlt, sich
lebensfähig erhalten soll. Nicht nur der Kalkstickstoff, der zunächst am
stärksten leiden würde, da seine Anwendung noch am wenigsten durch
gedrungen und auch am schwierigsten ist, sondern auch das schwefelsaure
Ammoniak würde voraussichtlich mit derartigen Absatzschwierigkeiten zu
tun haben, daß die beteiligten Industrien in der Zeit von einigen
Jahren mürbe gemacht wären und nun entweder die Tätigkeit mehr oder-
weniger einstellten, oder sich zu Vereinbarungen mit den englischen Sal
peterinteressenten verstehen würden, welche diesen noch mehr als sonst
die Macht in die Hände gäben. Man hat es nur nötig, die Vorgänge
auf dem Petroleum- und Zigarettenmarkte im Laufe der letzten Jahre
vor dem Kriege zu verfolgen, um zu wissen, wie schwer sich selbst von
Staats wegen gegen derartige wirtschaftliche Kämpfe Stellung nehmen
läßt, wenn einnial der richtige Zeitpunkt versäumt war. Und dafür,
daß dort, wo es sich um Bequemlichkeit in der Anwendung von Dünge
mitteln handelt, der deutsche Landwirt in großer Zahl schon vor