Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

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Die  Verbindung  Berlins  mit  Stettin  durch  den  1604—
1620  erbauten  und  1740—1746  wie  auch  später  oft  erweiterten
Finowkanal  erwies  sich  bei  der  enormen  Verkehrssteigerung  der
letzten  Jahrzehnte  als  völlig  unzureichend.  Daher  wurde  seit
den  1870er  Jahren  die  Errichtung  einer  Großschiffahrtsstraße
geplant,  die  in  der  Kanalvorlage  von  1901  Gestalt  annahm,  doch
erst  mit  dem  großen  Wasscrgesetz  von  1905  durchging.
Mit  über  45  Millionen  Mark  Kosten  ist  der  Berlin-Stettiner
  Großschiffahrtswegs)  ui  diesem  Jahre  fertiggestellt  worden,
seine  Eröffnung  soll  im  Frühjahr  1914  erfolgen.  Er  führt  von
Berlin  nach  Hohensaathen  in  die  Oder,  indem  er  teilweise  den
Lauf  des  alten  Finowkanals  benutzt,  ist  106.7  Kilometer  lang
und  wird  bei  2.05  bis  2.55  in  Tiefe  Fahrzeuge  von  68  in
Länge,  8  ni  Breite  und  1.75  m  Tiefgang,  gleich  ca.  600  Tonnen
Ladefähigkeit  tragen  können.
Die  Folge  dieses  modernen  Wasserweges  wird  eine  bedeutende ­
  Verbilligung  der  Transportsätze  Stettin—Berlin  und  umgekehrt ­
  sein,  schätzungsweise  0,72  bis  0,97  Jl  pro  To.  Diese
Verbilligung  wird  besonders  bei  Gewichtsmaterialien  wie  Steinkohle, ­
  Eisen,  Zement  usw.  von  Wichtigkeit  sein,  indem  die  Konkurrenzfähigkeit ­
  Oberschlesiens  gegenüber  den  die  neue  Großschiffahrtsstraße ­
  benutzenden  englischen  und  rheinisch-westfälischen
Kohlen-Cisenprodukten  dadurch  geschwächt  werden  wird.
Der  §  6  des  Wasserstraßengesetzes  vom  1.  Mai  1905  bestimmte ­
  im  Interesse  der  Erhaltung  der  Konkurrenzfähigkeit  der
oberfchlesifchen  Montanindustrie  auf  dem  Berliner  Markt,  daß
nach  Eröffnung  des  Berlin—Stettiner  Kanals  die  Frachtenspannung ­
  auf  dem  Schnittpunkte  Berlin  für  die  seewärts  eingehenden ­
  englischen  Kohleir  einerseits  und  die  oberschleüschen
Kohlen  anderseits  dadurch  garantiert  werden  solle,  daß  gegebenenfalls ­
  für  die  oberschlesischen  Kohlen  Frachtkompensationen
verfügt  werden.
Während  nun  die  oberschlesischen  Industriellen  aufgrund
der  damaligen  Parlamentsverhandlungen  und  ihrer  Vorgeschichte
niemals  daran  zweifelten,  daß  wenn  und  insoweit  diese  Kvmpensationen
  aus  dem  Wege  der  Verbesserung  der  Oderstraße  nicht

1)  P.  Gaeths,  S.  25  ff.  Berichte  1904/1912.  Denkschrift  des
Vereins,  S.  29.  Stettin  als  Handels-  u.  Industrieplatz.  (Denkschrift.)
            
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