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Industrien'). Solange der russische Fabrikarbeiter nicht annähernd
das Bildungsniveau des westeuropäischen, z. B. deutschen
erreicht haben wird, ist die Ausdehnung der russischen
Jndustriearbcit auf die Veredelung der groben Fabrikate ausgeschlossen.
„Es fehlt an tüchtigen allgemein und technisch vorgebildeten
Arbeitern, sodass selbst zu den einfachsten Arbeiten
ein und für sich zahlreicheres Personal aufgewendet werden muß.
Zu komplizierteren Maschinen müssen immer noch teuer bezahlte
Ausländer bezogen werden, oder Techniker, die für
höhere Leitungen geeignet wären, in solche Stellen eingesetzt
werden."
Auch die höhere Bildung ist noch sehr zurück, der Erfinder
ist nicht vorhanden, der die Wissenschaft aus die Technik anwendet,
so daß jede den Betrieb verbessernde Neuerung vom Auslande
teuer abgekauft werden muß. Eine Besserung ist in dieser
Hinsicht jedenfalls nicht so schnell herbeizuführen.
In höher verarbeiteten Eisen- und Stahlfabrikaten, besonders
Maschinen, wird der russische Konsument auch in Zukunft
wie bisher auf ausländische Ware angewiesen sein, weil
das Inland die.betreffenden Produkte überhaupt nicht oder
nur in minderwertiger Qualität herstellen kann.
Darin liegt der Schwerpunkt der Entwicklungsmöglichkeit
des russischen Marktes für die deutsche und speziell oberschlesische
Industrie. Und man kann sagen, daß es unbegrenzte Möglichkeiten
sind.
Von hauptsächlichstem Interesse erscheinen landwirtschaftliche
Maschinen, Nähmaschinen, Fahrräder, Schreibmaschinen,
1) V. Wittschewsky, S. 377. (Gutachten des Börsenkomitees zu
Riga zu dem deutsch-russischen Handelsvertrag.) Neben der schlechten
Volksschule ist die rückständige Agrarverfassung an den schwierigen
Arbeiterverhältnissen Schuld. Grund und Boden gehört der Land
gemeinde, der Bauer ist an sie gefesselt und kann nur „auf Urlaub"
in die Industrie gehen, während seine Familie das Grundstück bewirtschaftet.
Er ist Bauer und Industriearbeiter zugleich, daher
beides schlecht. (Auch ist zu beriicksichtigen, daß der orthodoxe Russe
im Jahr 94 kirchliche Feiertage hat, während der deutsche Katholik
68 Tage, der Protestant gar nur 58 Tage feiert, was zwar für die
Industrie im allgemeinen zutrifft. E."Zweig, S. 100 f.) Durch das
großartige Gesetz vom 10. beziehungsweise 23. Juni 1910 ist die umfassende
Umgestaltung der russischen Agrarverhältnisse gegenwärtig