Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

—  144

Diese  Zollsteigerungen  zu  verhindern  wird  der  Handelspolitik ­
  des  Deutschen  Reiches  um  so  eher  möglich  sein,  als  die
Monarchie  zu  dem  Deutschen  Reich  in  engstem  politischen  Bündnis ­
  steht.  Politische  Freundschaft  ist  mit  einer  feindlichen  Wirtschaftspolitik ­
  unvereinbar.  Naturgemäß  müßten'  dann  auch  die
deutschen  Agrarzölle  Österreich-Ungarn  gegenüber  ermäßigt
werden.  Dies  würde  für  die  deutsche  Landwirtschaft  keine
bedeutenden  Folgen  nach  sich  ziehen,  da  die  Struktur  der  österreichisch-ungarischen ­
  Agrarverhältnisse  sich  von  der  der  deutschen
Landwirtschaft  heute  kaum  mehr  unterscheidet,  sodaß  jedenfalls
die  deutsche  Landwirtschaft  den  österreichisch-ungarischen  Agrarimport ­
  nickt  zu  fürchten  braucht^).
Von  den  in  Hinsicht  auf  Eisenindustrieprodukte  als  Hinterland ­
  der  Donaumonarchie  anzusprechenden  Balkanstaaten  konzentriert ­
  sich  das  oberschlesische  Eisenindustrieinteresse  auf  den
fortgeschrittensten  Staat  Rumänien^).
Rumänien  besitzt  weder  Steinkohlen  noch  Eisenerze,  wird
also  in  diesen  Materialien  stets  auf  den  ausländischen  Import
angewiesen  sein.  Als  Lieferant  kam  bisher  hauptsächlich  Oberschlesien ­
  in  Frage,  das  jedoch  in  den  letzten  Jahren  in  Roheisen
und  Grobstahlprodukten  von  den  geographisch  günstiger  gelegenen ­
  Eisenindustrien  Südrußlands,  dessen  Eisenexport,  wie
wir  sahen  stark  wächst,  und  Österreich-Ungarns  fast  gänzlich  verdrängt ­
  worden  ist.  Dagegen  herrschen  die  feineren  und  Spezialeisenprodukte ­
  Oberschlesiens  nach  wie  vor  auf  dem  rumänischen
wie  auch  auf  den  anderen  Valkanmärkten  vor.  Berücksichtigt
man  die  enorme  Entwicklungsfähigkeit  der  jungen  rumänischen ­
  Volkswirtschaft,  so  ergeben  sich  die  besten  Exportaussichten
für  die  oberschlesischen  Fein-  und  Spezialeisenprodukte.  Auch
hier  wird  die  deutsche  Handelspolitik  dafür  sorgen  müssen,  daß
die  Zollmauern  für  die  deutschen  Eisenprodukte  möglichst  niedrig
gehalten  werden.
Von  größter  Bedeutung  sowohl  für  die  Eisenausfuhr  nach
Österreich-Ungarn  wie  nach  den  Balkanländern  wird  der  schon
Ende  der  1860er  Jahre  projektierte  aber  immer  noch  nicht

1)  Grunzet,  S.  73  ff.
2)  s.  ct.  M.  Ströll,  S.  62  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.