Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

Bestrebungen  waren  von  Erfolg  begleitet,  die  Hütten  konnten
bald  die  Nachfrage  nicht  mehr  befriedigen.  Oberschlesisches
Eisen  ging  nach  aller  Herren  Ländern,  besonders  gern  nach
England^).
Geben  wir  einen  kurzen  Ueberblick,  so  ist  zu  sagen,  daß
Friedrich  der  Große  die  oberschlesische  Kohlen-  und  Eisenindustrie ­
  ins  Leben  rief,  geleitet  von  den  Prinzipien  mercantilistischer
  Staatskunst^).  Trotz  des  anfänglichen  Mangels  an
ausreichenden  Geldmitteln,  technischen  Methoden  sowie  vor
allem  privatem  Unternehmungsgeist  und  einer  intelligenten
Arbeiterbevölkerung,  gelang  das  ungeheure  Werk  dank  der
Größe  seiner  Schöpfer  und  den  reichen  natürlichen  Hilfskräften
des  Landes^).  Begeistert  schreibt  Reden  in  seinem  berühmten
Promemoria  vom  l7.  Januar  1786  an  den  Königs):  „Es
ist  unmöglich,  von  der  Leichtigkeit,  Ergiebigkeit  und  so  unerwarteten ­
  als  sonderbaren  Gestalt  dieses  Baues  einen  Begriff
zu  geben;  man  muß  die  Gruben  befahren  und  über  die  Schätze
erstaunen,  welche  die  Natur  mit  verschwenderischer  Freigebigkeit ­
  hierher  gelegt  hat.  Ueberall  gibt  es  mergelartigen  Eisenstein ­
  wie  in  England.  Der  Sandstein  ist  zu  Gestellsteinen  geeignet, ­
  sogar  zum  Glasmachen  statt  des  Sandes.  In  der  Nähe
der  Flöze  ist  feuerbeständiger  Ton  zu  Glasöfen,  Lehm  zu  Ziegeln ­
  und  Kalk  zum  Bauen  und  zur  Düngung.  Nirgends  finden
sich  Kalk  und  Kohle  so  nahe  wie  hier.  Welche  Aussichten  für
die  Kultur  des  Landes  und  für  anzulegende  Fabriken;  welche
Sicherheit  für  die  hiesige  Eisenfabrikation!  Alle  Zweifel,
welche  ich  ehedem  in  die  Nachahmung  der  englischen  Verfahrungsarten
  hcgte°),  verschwinden  jetzt,  da  Menge,  Wohlfeilheit
und  Güte  der  Kohlen  sowie  die  Hilfsmittel  zu  ihrer  Benutzung
und  endlich  der  Verschleiß  der  Produkte  gesichert  sind  .  .  .  Un-1)

  Faßreifen  gingen  über  Stettin  nach  Portugal  und  Spanien,
s.  E.  Reimann,  S.  150  ff.  H.  Fechner  II,  S.  74.
2)  H.  Fechner  11,  S.  256.  I  I  I,  S.  786.
3)  Heinih'  Bericht  an  den  König,  29.  Sept.  1791:  „Der  Graf
tx-  Sieben  verpflanzt  die  ganze  englische  Industrie  im  Mineralreich
nach  Schlesien.  Wir  erreichen  alle  Jahre  größere  Vollkommenheit ­
  .  .  .  ."  Fechner  I  I,  S.  76  ff.
4)  H.  Fechner  I,  S.  338  f.
5)  d.  h.  bezügl.  des  Koks.
            
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