Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

38

der  Entfernung  ab,  ferner  von  der  Art  des  Transportapparates
und  dem  Maße  seiner  Ausnützung,  der  konkreten  Natur  der
Gegend  und  der  davon  abhängigen  Art  des  Weges,  schließlich
der  Art  der  Transportgüter  selbst.  Dieses  erste  Grundnetz  der
Jndustrieorientierung  wird  durch  etwaige  Arbeitskostendifferenzen ­
  dienert.  Als  dritten  Alterationsfaktor  genereller  Natur
der  Jndustrielagerung  steht  Weber  „lebe  Agglomerationstendenz ­
  "an,  die  auch  die  Zusammenfassung  aller  möglichen
übrigen  Standortsfaktoren  sein  kann.  Aus  diesen  Definitionen
Webers  läßt  sich  kein  Urteil  über  die  Existenzberechtigung  der
oberschlesischen  Eisenindustrie  fällen,  da  sie  eine  Fülle  von
„Nebensächlichkeiten"  gelten  lassen  müssen,  die  praktisch  den
Ausschlag  geben  können  und  so  alle  Berechnungen  über  den
Haufen  werfen.
W.  Sombart  sagt  in  seiner  KritikH  der  Weberschen  Standvrtslehre:
  „Webers  Theorie  ist  die  Theorie  dessen,  was  man  den
„freien"  Standort  nennen  kann.  Sie  ist  unvollständig.  Denn
nur  in  einem  Teil  der  Fälle  ist  der  Standort  ein  „freier",  d.  h.
können  die  Gewerbe  ihn  wählen  —  anders  ausgedrückt,  könnte
er  (phvsisch)  auch  woanders  sein.  Daneben  gibt  es  —  und  zwar
keineswegs  in  etwa  belanglos  geringem  Umfange  —  Standorte, ­
  die  nicht  auf  ..freier"  Wahl  beruhen,  weil  sie  nirgends
anders  sein  könnten:  „gebundene"  Standorte.  Die  Bindung
kann  an  jedem  der  drei  Orientierungspunkte  erfolgen:  am
Konsumplatz,  Arbeitsplatz  oder  Materialplatz."
Dann  ist  die  oberschlestsche  Eisenindustrie  als  „gebundene"
Industrie  zu  erkennen.  Eine  lange  geschichtliche  Entwicklung
hat  in  ihr  enorme  Kapitalien  festgelegt,  die  im  Besitz  der  großen
Geldinstitute,  aber  auch  des  „kleinen  Mannes"  sind.  Diese
Kapitalien  lassen  sich  nicht  aus  der  Industrie  herausziehen,
denn  dabei  würden  sie  zum  bedeutenden  Teile  verloren  gehen;
sie  sind  einfürallemal  verankert.  Die  Gefahr,  alles  zu  verlieren,
nötigt  das  Kapital,  auch  in  schweren  Zeiten  in  der  Industrie
zu  bleiben,  sie  selbst  mit  großen  Opfern  zu  stärken  und  für  künftige
  bessere  Zeiten  produktionsfähig  zu  erhalten.  Auch  der
Staat,  der  wie  wir  sehen  werden,  zum  überwiegenden  Teil  im
Interesse  der  oberschlesischen  Industrie  gewaltige  Summen  in

1)  W.  Sombart  II.,  S.  40  ss.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.