Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

39

den  Wasserbauten  besonders  der  Oder  oberhalb  Breslaus  fortdauernd ­
  angelegt  hat  und  heute  noch  anlegt,  der  ferner  an  der
möglichst  intensiven  Ausnutzung  des  großzügig  gebauten  Eisenbahnnetzes ­
  des  l^ndustriebezirks  interessiert  ist  —  auch  dieses
fiskalische  Kapital  bildet  einen  Faktor  traditioneller  Art,  der
die  einmal  eingepflanzte  Eisenindustrie  Oberschlesiens  an  ihrem
alten  Sitze  festhält^).
Dann  aber  ist  mit  dem  Schicksal  der  oberschlelischen  Eisenindustrie ­
  das  Wohl  und  Wehe  bedeutender  Arbeitermassen
(1912:  46  400)  eng  verknüpft,  die  aus  rein  psychologischen  wie
besonders  allgemein  wirtschaftlichen  Gründen  unmöglich  mit
einemmal  aus  ihrem  alten  Wirkungskreise  entführt  und  anderswohin ­
  verpflanzt  werden  könnten.  Im  großen  ist  etwas
derartiges  praktisch  noch  nicht  erschienen  und  im  kleinen  bezw.
kleinsten  oft  gescheitert.
Neben  der  Kapitalverlustgefahr  hält  die  Arbeiterschaft  die
Eisenindustrie  in  Oberschlesien  fest.  Die  oberschlesischen  Eisenhütten ­
  sind  zugleich  auch  z.  T.  am  Materialplatz  gelegen  insofern,

1)  Alfred  Weber  hat  in  seiner  Standortstheorie  u.  E.  die  Wichtigkeit ­
  dieses  traditionellen  Momentes  wie  noch  anderer  individueller ­
  Faktoren,  die  den  Standort  einer  Industrie  bestimmen  oder
vielmehr  vor  langer  Zeit  bestimmt  haben,  so  daß  eine  Revision
eines  solchen  vor  langer  Zeit  gewählten  Standortes  auf  seine  wirtschaftliche ­
  Richtigkeit  hin  eben  schlechterdings  unmöglich  erschein!,
unterschätzt.  Er  spricht  wohl  von  dem  3.  generellen  Alterationsfaktor, ­
  „der  jede  Aglomerationstendenz  oder  auch  die  Zusammenfassung ­
  aller  möglicher  übrigen  Standortsfaktoren  sein  kann"
(S.  67  f.)  und  den  Standort  einer  Industrie  zu  bestimmen  fähig  ist,
doch  wie  uns  scheint,  nicht  mit  der  gehörigen  besonderen  Betonung.
Seine  Lehre  kann  —  das  steht  u.  E.  fest  —  für  unsere  deutschen
Verhältnisse  nur  dann  von  praktischer  Bedeutung  werden,  wenn
eine  neue  Industrie  begründet  werden  soll,  so  daß  sie  dem  Kapital
bei  der  Auswahl  des  Standorts  der  neu  zu  begründenden  Industrie
mit  gutem  Rat  zur  Seite  stehen  könnte.  Für  die  Masse  der  entwickelten ­
  deutschen  Industrien  gelten  eben  jene  wichtigen  traditionellen ­
  und  anderen  individuellen  Momente;  das  Schwergewicht
wird  bei  den  alten  Centren  bleiben,  wenn  auch  neue  Arbeitsstätten
an  anderen  neuen  Standorten  entstehen.  Wenn  H.  Schumacher
(I  H,  S.  28  ff.)  in  der  Gegenwart  eine  allgemeine,  verhältnismäßig
rasche  Wanderung  der  amerikanischen  Eisenindustrie  von  der  Küste
ins  Innere  gemäß  der  Rohmaterialorientierung  konstatiert,  also
trotz  traditioneller  Momente,  die  doch  auch  in  der  amerikanischen
Eisenindustrie  vorhanden  sind,  so  liegt  dieses  u.  E.  an  den  beson-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.