Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

fern  die  fremde  Handelspolitik  nicht  gewaltsam  die  Industrien
aus  den  Arbeitsmarktgebieten  herausreißt".
Nicht  nur  die  oberschlesische  Steinkohle  sondern  auch  die
oberschlesische  Arbeiterschaft  zieht  die  Eisenindustrie  wie  ein
Magnet  in  den  Bezirk  herein^.  Damit  ist  freilich  noch  nicht
gesagt,  daß  alle  Zweige  der  Eisenerzeugung  gleicherweise  rentabel ­
  sein  müssen,  vielmehr  werden  Vorteile  wie  Nachteile  dieser
oder  jener  Betriebsabteilungen  gegenüber  den  Eisenindustrien
anderer  Bezirke  bei  der  vielseitigen  Differenzierung  der  Eisenhüttentechnik ­
  wahrscheinlich  auftreten,  sodaß  der  Eisenhüttenbetrieb ­
  sich  günstig  auf  ganz  bestimmte  Produktionszweige  wird
spezialisieren  müssen.  Als  Grundlage  und  Ausgang  zu  diesen
Produktionszweigen  wird  die  Erzeugung  des  Roheisenmaterials
natürlich  aufrechtzuerhalten  sein,  sofern  nicht  ganz  gewichtige
Gründe  dagegen  sprechen.
Die  Provinz  Schlesien  hat  außer  den  besprochenen  oberschlesischen ­
  keine  bedeutenderen  Eisenerzvorkommen  aufzuweisen.
Wohl  werden  bei  Bad  Reinerz  in  der  Grafschaft  Glatz  gute
Not-  und  Brauneisenerze  sowie  Magneteisensteine^),  ebenso  bei
Willmannsdorf,  westlich  von  Jauer,  und  bei  Jänkendorf  und
Niesky  in  der  Nähe  von  Görlitz  gefördert,  jedoch  nur  in  geringen ­
  Mengen  von  5—10  000  To.  jährlich.  Gleichfalls  unbedeutend ­
  ist  die  Ausbeute  von  Kohleneisenstein  aus  den
Gruben  bei  Neurode  und  Waldenburg.  Beachtenswerter  dagegen ­
  erscheinen  die  Magneteisensteine  bei  Schmiedeberg  i.
Nsgb.  Das  Erz  ist  von  reiner  Beschaffenheit,  hat  50—65%  Fe
und  für  den  basischen  Prozeß  ausreichenden  Phosphorgehalt.
Es  wird  in  der  seit  Mitte  des  18.  Jahrhunderts^)  bestehenden
Grube  „Bergfreiheit"  zu  gegenwärtig  40—50  000  To.  jährlich ­
  gewonnen  und  zur  Eisenbahn  nach  dem  Königshütter
Hochofenwerk  der  Pächterin  der  Grube,  der  Vereinigten  Kö-1)

  insofern  Arbeitermassen  anerkanntermaßen  einen  fest  verankerten ­
  Standortsfaktor  bilden,  s.  a.  A.  Weber  I,  S.  34,  S.  94  ss.
2)  Schon  unter  Heinitz  und  Reden  in  Ausbeutung,  1793  die
Eisenhütte  Rückerz  gegründet.  (H.  Fechner  II,  S.  15  ff.)
3)  1802  g-ing  zum  ersten  Male  eine  Sendung  von  200  Ctr.
Schmiedeberger  Erze  nach  dem  Kgl.  Hochofenwerk  zu  Gleiwitz  und
Malapane.  (H.  Fechner  II,  S.  417  fs.)
            
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