52
vergleichbaren Lauf zurückgelegt, nur die der Vereinigten
Staaten von Nordamerika ist ähnlich rasch vorwärtsaeschritten.
Auf diesen ungeheuren Naturschätzen hat sich trotz größter
Schwierigkeiten, welche die Kapital-, Arbeiter- und Marktverhältnisse
Rußlands entgegensetzten, eine russische Großindustrie
in Kohle und Eisen entwickelt unter der beständigen und eifrigsten
Fürsorge der russischen Regierung.
Die Kohlen-Eisenindustrie Rußlands konzentriert sich auf
vier Bezirke'):
1) Donezsteinkohlenbecken,
2) polnische Steinkohlenbecken,
3) Uraleisenerzgebiet,
4) Olonetz'scher Eisenbezirk.
In den beiden ersten Bezirken stehen die Hochöfen auf den
Steinkohlen, die Erze werden zum grüßten Teil aus Südrußland
herangeschafft^), in den beiden letzten dagegen auf den
Eisenerzen, die sie einerseits mit Holzkohlen (Ural), im anderen
Falle mit englischem Koks verhüüen. Die besten Entwicklungsaussichten
hat das Donezbecken, da es auf guten Steinkohlen
gegründet ist und den bedeutendsten Eisenerzlagern verhältnismäßig
am nächsten liegt. Der Anteil der Eisenhütten des
Donezbezirks an der russischen Roheisenproduktion betrug 1900
zirka 52%, und stieg 1905 auf zirka 65%, 1910 auf zirka 70%.
Der Anteil an der Schmiedeeisen- und Stahlfabrikation
ist um zirka 5% geringer, da die Leistungsfähigkeit des Uraleisenbezirks
in Handelseisensorten hervorragt, und auch die
polnische Eisenindustrie verhältnismäßig mehr Schmiedeeisen
und Stahl als Roheisen produziert.
Die gesamte Roheisenerzeugung Rußlands stellt sich seit
1880, dem Beginn der modernen schutzzöllnerischen Industriepolitik
Rußlands, wie folgt 3 ):
1) E. Zweig, S. 170 ff.
2) Immerhin Entfernungen von 300—400 km, also für reichsdeutfche
Verhältnisse enorme Strecken
3) Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, E. Davidson,
B. Simmersbach, Eisenhüttenwesen 1912, S. 185.