Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

67

6

sich  die  immerhin  kleine  Eisenindustrie  Mittelschwedens  aus
Mangel  an  ausreichenden  Verkehrsmitteln  nicht  entwickeln^).
Zur  Behebung  müßte  Schweden  ziemlich  unvermittelt  Kapitalien ­
  aufbringen,  die  es  ohne  Gefährdung  seiner  übrigen  Interessen ­
  nicht  entbehren  könnte^).  Ausländische  Kapitalien  hierzu
heranzuziehen,  dürfte  in  größerem  Maße  nicht  möglich  sein,  da
die  Geldinstitute  der  Kapitalistenländer,  z.  B.  Englands  und
Deutschlands  allzu  sehr  an  den  eigenen  Eisenindustrien  interessiert ­
  sind,  als  daß  sie  diesen  in  einer  nationalen  schwedischen
Eisenindustrie  einen  neuen  Konkurrenten  erweckten.  Aussichtslos ­
  ist  dann  endlich  die  Frage  des  Absatzes.  Der  inländische
Markt,  der  gegenwärtig  zirka  600  000  To.  Roheisen  aufnimmt,
ist  bei  der  relativ  kleinen  Volkszahl  nur  in  beschränktem  Maße
entwicklungsfähig^).  Im  Großen  und  Ganzen  wird  Schweden
immer  Agrarland  bleiben.  Das  schwedische  Eisen  müßte  deshalb ­
  im  Ausland  seinen  Käufer  suchen.  Nun  aber  ist  für  jede
Industrie  der  nationale  Absatzmarkt  stets  die  sicherste  Grundlage. ­
  Außerdem  würde  das  Ausland  gewiß  Zollschranken  gegen ­
  das  schwedische  Eisen  errichten,  und  überdies  besitzen  die
alten  Eisenindustrien  z.  B.  Englands  und  Deutschlands  hinreichende ­
  Reserven,  um  von  Anfang  den  Kampf  gegen  die  junge
Konkurrenz  mit  aller  Energie  aufnehmen  zu  können.
So  kommen  wir  zu  dem  Schluß,  daß  in  naher  Zukunft
eine  schwedische  Großeisenindustrie  auch  mit  noch  so  günstigen
elektrotechnischen  Grundlagen  nicht  entstehen  kann'').
1)  C.  Rotz,  S.  66.  Th.  Sehmer,  S.  65,  73.
2)  Zunächst  sind  naturgemäß  ungeheure  Geldmittel  für  die
Elektrizitätswerke  nötig,  sowie  die  daran  anschließende  Elektrisierung ­
  der  Staatseisenbahnen.  „Schles.  Ztg."  No.  82,  2.  Febr.  1913.
3)  1910:  5,5  Mill.  Einwohner,  13,44  pro  qkm,  0,72  93er--mehrungskoeffiz.,
  vergleichsweise  im  Deutschen  Reich  64,9  Mill.,
102,04  pro  qkm,  1,36  Vermehrungskoesfiz.  (Statistisches  Jahrbuch
f.  d.  D.  R.,  1912.)
4)  K.  Spaltowski  suchte  in  seiner  Dissertation  1908  S.  56  f.
zu  beweisen,  daß  eine  schwedische  Großeisenindustrie  wohl  lebensfähig ­
  wäre,  und  schwedisches  Eisen  den  deutschen  Hochöfen  bald
Konkurrenz  bereiten  wird.  Die  bisherige  Entwicklung  der  Technik
spricht  für  seine  Auffassung.  Es  ist  ihm  zuzugestehen,  datz  er  in
der  technischen  Seite  des  Problems  durch  die  Errungenschaften
der  schwedischen  Aktiebolaget  Elektrometall  in  Domnarfvet  Recht
bekommen  hat.  Dagegen  nicht  was  die  Wirtschaftlichkeit  des  93er-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.