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Tatsächlich sind die recht häufigen Abgänge ausgelernter
Arbeiter nach Westdeutschland, ja selbst nach Belgien und Nordfrankreicb
dabei von einiger Bedeutung. Diese Leute bleiben,
auch wenn sie die Löbne in den westlichen Industrien nicht um
so viel besser finden als der nominelle Betrag anzugeben scheint^),
der vberschlesischen Industrie doch meist für immer verloren. Die
Folge hiervon aber ist, daß die oberschlesischen Industrien in
verstärktem Maße als bisher ausländische Arbeiter in den Betrieb
einstellen müssen^).
Keine Großindustrie der Welt, welche wie Oberschlesien
auf einen verhältnismäßig kleinen Bezirk zusammengedrängt ist,
ist in der Lage, im eigenen Bezirk selbst die großen Mengen von
Arbeitskräften zu produzieren, deren sie bei foAschreitender Entwicklung
bedarf. Die Jndustriebezirke saugen beständig aus dem
ganzen Inlande das benötigte Mehr an Arbeitskräften an, soweit
natürlich das Inland Menschenmaterial abzugeben imstande
ist. Trotz des Kinderreichtums der Arbeiterbevölkerung
kann die natürliche Bevölkerungsvermehrung Oberschlesiens den
wachsenden Arbeiteranforderungen der Industrie nicht folgen.
Die unglückliche geographische Lage Oberschlesiens zu dem Jnlande
erschwert es nun, aus ihm das Mehr an Arbeitern zu beziehen.
So ist die oberschlesische Montanindustrie auf Rußland
und Österreich-Ungarn als natürliches Hinterland zur Ergänzung
ihrer Arbeiterschaft angewiesen.
Es handelt sich hauptsächlich um Ruthenen und Polen aus
Galizien und Russisch-Polen, die, teilweise kleine Bauern, ihr
Anwesen und ihre Familie für einige Jahre verlassen, um sich
in der fremden Industrie soviel zusammen zu verdienen, daß sie
nach ihrer Rückkehr ihr Besitztum instandsetzen können, teils unverheiratete
junge Leute, die jedenfalls die Arbeit nach kurzer
Zeit wieder verlassen und in ihr Vaterland zurückkehren^). Zunächst
drückt dies beständige Fluktuieren der fremden, slavischen
Arbeiter die Leistungsfähigkeit der oberschlestschen Montanindustrie
bedeutend herab, dann aber erschwert es die germanisato-1)
Infolge der höheren Lebenshaltungskosten, so daß der
Reallohn im Westen durchaus nicht höher als in Oberschlesien ist.
2) s. a. Knoke. S. 17. 43.
3) Sie leisten im allgemeinen nur „ungelernte" Arbeit, lernen
aber oft zu und steigen zu besser gelohnter Arbeit auf.