Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

Oberland  benötigte  Steinsalz  eine  erhebliche  Frachtersparnis  zu  erzielen,  da  das
Oberland  bisher  mit  Steinsalz  von  Wilhelmsglück  aus  versorgt  wurde.  Man
hatte  diese  Frachtersparnis  mit  jährlich  15  000  fl.  berechnet.  Ein  anderer  Grund
war  der,  daß  man  die  mächtigen  Steinsalzlager  mit  dem  wenig  ergiebigen  Salinenbetrieb ­
  nicht  erschöpfend  ausbeuten  konnte.  Nicht  ganz  unrichtig  folgerte
man,  daß  die  der  Aussolung  der  Lagerstätte  folgenden  Einstürze  einer  späteren
Gewinnung  fast  unüberwindliche  Schwierigkeiten  entgegenstellen  würde.  Anderseits ­
  war  es  richtig,  den  bisherigen  erfolgreichen  Salinenbetrieb  zu  Rottenmünster ­
  auf  der  Grundlage  der  überaus  mächtigen  Lagerstätte  für  Jahrhunderte
als  gesichert  zu  betrachten.  Die  gerade  nicht  günstige  Finanzlage  des  Landes
ließ  daher  die  Einstellung  der  Schachtbauarbeiten  wenigstens  in  einem  Punkte
als  gerechtfertigt  erscheinen.
Bezüglich  dieses  Schachtbaues  seien  noch  einige  nähere  Daten  nachgetragen.  Das
Versuchsbohrloch  am  Stallberg  wurde  im  September  1837  niedergebracht.  Das
Steinsalzlager  wurde  in  einer  Tiefe  von  497,8  Fuß  in  einer  Mächtigkeit  von  42  Fuß
angetroffen.  Die  ersten  Abteufarbeiten  zum  Schacht  wurden  am  21.  Dezember
1842  vorgenommen.  Zum  Betrieb  der  Schachtarbeiten  bediente  man  sich  der
Wasserkraft,  der  man  etwa  60  Pferdekräfte  entnehmen  konnte.  Zur  Erlangung
dieser  Wasserkräfte  war  die  Erbauung  eines  neuen  Kanals  von  3577  Fuß  Länge
erforderlich.  Ain  6.  März  1843  war  unter  mannigfachen  Schwierigkeiten  und
den  schon  erwähnten  Brüchen  der  hölzernen  Pumpen  erst  eine  Tiefe  von  40  Fuß
erreicht.  Um  die  Wasser  bewältigen  zu  können,  mußte  man  die  Wasserhaltung
umbauen  und  eiserne-Pumpen  einsetzen;  auch  wurde  bei  51  Fuß  Tiefe  unter
der  Hängebank  die  Aufführung  einer  Schachtmauer  notwendig.  Am  16.  Juni
1845  war  man  erst  bis  zu  einer  Tiefe  von  100  Fuß  vorgedrungen;  die  Wasserzuflüsse ­
  erfolgten  hier  zu  30  Kubikfuß  in  der  Minute,  sodaß  man  zur  Verdämmung ­
  einzelner  Klüfte  und  zum  Einsetzen  gemauerter  und  eiserner  Schachtfutter
gezwungen  war.  Da  weiterhin  die  oberen  Zuflüsse  des  Wassers  eine  immer
stärker  werdende  Zunahme  zeigten,  überdies  die  Pumpen  durch  Brüche  wiederholt
versagten,  so  trat  wiederholt  ein  Ersaufen  des  Schachtes  ein.  Besonders  war
dies  am  10.  Januar  1846  der  Fall,  wo  der  Wasserzudrang  73  Kubikmeter  pr.
Minute  in  einer  Tiefe  von  138  Fuß  betrug.  Es  gelang,  die  Wasser  zum
größten  Teil  abzudämmen,  bis  bei  160  Fuß  Tiefe  in  einem  aschgrauen,  zerklüfteten ­
  Kalkstein  der  Wasserzudrang  sich  auf  etwa  100  Kubikfuß  pr.  Minute
steigerte,  welchen  Anforderungen  die  Wasserhaltung  bei  weitem  nicht  gewachsen
war.  Angesichts  dieser  Sachlage  faßte  man  den  Entschluß,  die  Pumpen  herauszunehmen ­
  und  die  Maschinen  umzubauen,  welche  Arbeiten  am  25.  November
1847  in  Angriff  genommen  wurden.  Erst  am  15.  Mai  1848  war  die  Wasserhaltung ­
  wieder  betriebsfertig.  Aber  auch  jetzt  führte  die  Unzuverlässigkeit  der
Maschinen,  der  Mangel  au  Aufschlagwassern  wegen  zu  niedrigen  Standes  des
Neckars,  sowie  die  Undichtheit  des  Zuflußkanals  zu  zahlreichen  Betriebsschwierigkeiten.
  Mau  erkannte  endlich,  daß  mit  den  gegebenen  technischen  Mitteln  und
insbesondere  der  vorhandenen,  zu  schwachen  Wasserkraft  die  Aufgabe  des  Schachtbaues ­
  nicht  zu  lösen  war.  Die  Schachtarbeiten  wurden  daher  eingestellt,  worüber ­
  wir  nähere  Angaben  bereits  oben  gemacht  haben.
Interessant  ist,  daß  auch  in  den  mit  den  schweizerischen  Kantonen  abgeschlossenen ­
  Salzlieferungsverträgen  auf  den  Schachtbau  bei  Rottenmünster  bezug
genommen  wurde.  So  heißt  es  in  einem  am  12.  September  1848  mit  dem

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