Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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Jahre  1823  standen  noch  sämtliche  Bohrlöcher  im  Steinsalz,  mit  Ausnahme  von
Bohrloch  No.  4,  dessen  Sole  aus  dem  Gips  gefördert  wurde.  Die  Ausförderung ­
  in  sämtlichen  Bohrlöchern  erfolgte  wie  bei  dem  Bohrloch  No.  1  mittels
Pumpen.  Wie  schon  bemerkt,  hatte  man  auf  Grund  dieser  überraschend  günstigen
Bohrerfolge  den  Plan  einer  großen  Salinen-Anlage  gefaßt,  dessen  Ausführung
auch  unmittelbar  eingeleitet  wurde.  Zu  diesem  Zwecke  wurde  auch  die  Schaffung
eines  Kanals  zwischen  Kocher  und  Neckar  beschlossen,  der  in  der  Gegend  bei
Hagenbach  seinen  Anfang  nehmen  sollte.  Dieser  Kanal  sollte  nach  den  Plänen
einmal  dazu  dienen,  bei  dem  beabsichtigten  Schachtbau  auf  das  Steinsalzlager
die  Wasserkraft  zur  Bewältigung  der  Schachtwasser  zu  liefern,  anderseits  sollte
der  Kanal  von  der  Saline  bis  zum  Neckar  eine  Wasserstraße  herstellen,  aus
welcher  die  Verfrachtung  des  Salzes  für  den  weiteren  Verkehr  znm  Rhein  bewerkstelligt ­
  werden  konnte.  Die  Untersuchungen  über  den  Betriebswerk  der
Wasserkraft  dieses  Kocherkanals  rührten  von  dem  Oberst  und  Oberwasserbau-Direktor
  von  Duttenhoser  her.  Wir  werden  später  sehen,  daß  die  Wasserkraft
des  Kochers  sich  bei  dem  Schachtbau  für  die  Wasserhaltung  als  nicht  ausreichend
erwies.  Im  Jahre  1821  waren  mit  der  Ausführung  dieses  Kanalbaues  110
Sträflinge  beschäftigt.  Was  die  weitere  technische  Ausgestaltung  der  Saline
Friedrichshall  betraf,  so  sah  der  vom  König  genehmigte  Bauplan  folgende  Einrichtungen ­
  vor.  Zur  Errichtung  kam  ein  Siedehaus  mit  4  Pfannen;  jede
Pfanne  war  30  Fuß  lang,  28  Fuß  breit  und  1 1 / 4  Fuß  tief.  Als  Richtschnur
dienten  im  allgemeinen  die  bayerischen  Salineneinrichtungen,  wie  die  zu  Reichenhall ­
  und  Rosenheim.  Die  Bleche  der  Pfannen  waren  umgebogen,  die  Ränder
durchlocht  aneinandergeschraubt  und  mit  darübergreifenden  Fugeisen  vernietet.
Daneben  waren  Dörrpfannen  vorhanden,  die  durch  die  Abzugshitze  der  Siedepfannen
  betrieben  wurden.  Außerdem  wurde  ein  großes  Solen-Reservoir  von
etwa  40  000  Kubikfuß  Fassungsraum  errichtet,  letzterer  betraf  nur  den  Unterbau,
der  stark  verzimmert  und  mit  Latten  ausgelegt  war.  Ueber  dem  Unterbau  befanden ­
  sich  obere  Solkästen,  die  außerdem  noch  18  000  Kubikfuß  Fassungsraum
aufwiesen.  Ferner  wurde  eine  Beamtenwohnung  und  ein  Laborantenhaus  zu
6  Wohnungen  erbaut.  Diese  sämtlichen  Anlagen  waren  nach  dem  Bauplan  im
Jahre  1821  fertigzustellen,  einschließlich  eines  Magazin-Gebäudes,  das  für  5000
Fässer  berechnet  wurde.  Eine  gleich  große  Siedeanlage,  wie  die  vorstehend  gekennzeichnete, ­
  wurde  unnrittelbar  nach  der  Fertigstellung  der  ersten  in  Angriff
genommen.  Bei  der  Anlage  der  Gebäude  war  darauf  besondere  Obacht  gegeben,
daß  selbst  bei  einer  so  großen  Ueberschwemmung,  wie  die  des  Jahres  1789,  das
Wasser  nicht  in  die  Salinenhäuser  dringen  konnte.  Im  Jahre  1820  wurden
17  000  Ztr.  Salz  produziert,  eine  Menge,  die  nach  Fertigstellung  der  gesamten
Salinen-Anlage  erheblich  gesteigert  werden  sollte.  In  den  ersten  Betriebsjahren
wurden  aus  einer  Klafter  gemischten  Laubholzes  25  Ztr.  Salz  ersotten.  Die
Leitung  der  Saline  lag  in  Händen  eines  Salzamtes,  dem  im  Jahre  1821  insgesamt ­
  65  Sieder,  Handwerker  usw.  unterstanden.
Nach  dem  Hauptfinanz-Etat  von  1826/9  sollte  die  Salzproduktion  auf  der
Saline  Friedrichshall  betragen:  65  000  Ztr.  Kochsalz,  3  500  Ztr.  Viehsalz  und
3  500  Simri  Hallbözig*)  (Simri  —  22,153  Liter).  In  dem  folgenden  Etat
von  1830/33  war  die  Produktion  von  Kochsalz  auf  42  000  Ztr.  für  Rhein1) ­

  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.  Jahr  1827.  I.  Abteilung.  S.  85.
            
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