135
Mächtigkeit Bei diesem schon allein durch die Mächtigkeit bedingten Umfang
der Lagerstätten erschien die Absicht eines bergbaulichen Betriebes Erfolg ver
heißend. Die württ. Kammer der Abgeordneten stand allerdings teilweise die
ser Absicht eines neuen Schachtbaues angesichts der üblen Erfahrungen mit der
Saline Rottenmünster etwas skeptisch gegenüber. Allein die Regierung hatte
ihren Plan schon erheblich gefördert, insbesondere war man der Frage einer
anderen Wahl der bisher angewandten Methode im Niederbringen des Schachtes
näher getreten. Um jene Zeit nämlich hatte ein französischer Ingenieur namens
Kind zu Forbach in Lothringen beim Schachtbau eine ganz neue Bohrmethode
in Anwendung gebracht, die in Fachkreisen die weiteste Beachtung fand. Ans
diesem Grunde hatte sich die württembergische Regierung entschlossen, einen ihrer
Sachverständigen, den Bergrat v. Alberti, nach Forbach zu senden, der das
Kind'sche Verfahren an Ort und Stelle studieren sollte. Bergrat v. Alberti
legte denn auch seine Beobachtungen und Erfahrungen in einem längeren Be
richte nieder. Bei diesem Kind'schen Verfahren handelte es sich im wesentlichen
um die Anwendung eines Freifallbohrers. Dieser besteht in seinem unteren
Teil aus dem sogenannten Abfallstück, an welchem sich das Bohrstück befand.
Sobald der Schwengel im Bohrhaus angezogen wurde, packte der Greifapparat
die Zunge des Oberendes und je weiter man den Schwengel niederdrückte, trat
als Folge das in die Höhesteigen des Bohrers ein. War der Hub des
Bohrers beendigt und fing das Obergestänge zu sinken an, so drückte man im
selben Augenblick das Wasser im Bohrloch gegen den oben angebrachten Leder
hut; es war dies eine Lederscheibe vom Durchmesser des Bohrloches. Sobald
der Zug die Zugstange nach oben führte, die mittels des Bolzens und der He
bel mit der Greifzange in Verbindung stand, öffnete sich die Schere und als
bald fiel das Untergestänge mit dem Bohrer frei ab. In einem trockenen Bohr
loch war übrigens die Freifallschere unverwendbar.
Am 2. Januar 1854 hatte man mit der Abteufung des Steinsalzschachtes
zu Friedrichshall begonnen und hierbei die Arbeit so kräftig gefördert, daß be
reits Ende Mürz 1855 der Schacht bis zu einer Tiefe von 302 Fuß im Mu
schelkalk abgeteuft war. In weiteren 3 Monaten hoffte man bei 350 Fuß das
Gipslager und nach einem Jahr, etwa im Juni 1856, das Steinsalzlager bei
540 Fuß Tiefe zu erreichen. Für die Wasserhaltung hatte man eine Dampf
maschine von 15 Pferdestärken, neben einer Reservemaschine von 91 PS. nor
maler Leistung, die maximal 130 bis 140 PS. zu leisten vermochte, aufgestellt.
Die aufgestellte kleine Wasserhaltungsmaschine von 15 PS. vermochte anfangs
die in geringerer Tiefe auftretenden Wasser gut zu bewältigen; bei größerer
Teufe erwies cs sich jedoch als eine sehr notwendige Maßnahme, größere Ma
schinenkräfte zur Verfügung zu haben, sodaß die in Reserve gehaltene Wasser-
haltnngsmaschine bald in volle Tätigkeit trat 1 2 ). Das eigentliche Salzlager
wurde jedoch erheblich später, als erwartet, erreicht, nämlich erst im Jahre 1859.
Unerwartete technische Schwierigkeiten hatten die Niederbringung des Schachtes
verzögert. Der Schacht diente gleichzeitig der Wetterführung, Steinsalzförderung,
Fahrung und Wasserhebung. Die geologische Formation zeigte nach den von
dem Schachte durchfahrenen Gebirgsarten folgendes Bild 3 ) ;
1) Verhandlungen d. württ. Kammer d. Abg., Jahr 1851. II. Band, S. 1105.
2) Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen. Jahrg. 1876, S. 414.
3) O. Fraas, Die nutzbaren Minerale Württembergs. 1860, S. 111.