Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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Mächtigkeit  Bei  diesem  schon  allein  durch  die  Mächtigkeit  bedingten  Umfang
der  Lagerstätten  erschien  die  Absicht  eines  bergbaulichen  Betriebes  Erfolg  verheißend. ­
  Die  württ.  Kammer  der  Abgeordneten  stand  allerdings  teilweise  dieser ­
  Absicht  eines  neuen  Schachtbaues  angesichts  der  üblen  Erfahrungen  mit  der
Saline  Rottenmünster  etwas  skeptisch  gegenüber.  Allein  die  Regierung  hatte
ihren  Plan  schon  erheblich  gefördert,  insbesondere  war  man  der  Frage  einer
anderen  Wahl  der  bisher  angewandten  Methode  im  Niederbringen  des  Schachtes
näher  getreten.  Um  jene  Zeit  nämlich  hatte  ein  französischer  Ingenieur  namens
Kind  zu  Forbach  in  Lothringen  beim  Schachtbau  eine  ganz  neue  Bohrmethode
in  Anwendung  gebracht,  die  in  Fachkreisen  die  weiteste  Beachtung  fand.  Ans
diesem  Grunde  hatte  sich  die  württembergische  Regierung  entschlossen,  einen  ihrer
Sachverständigen,  den  Bergrat  v.  Alberti,  nach  Forbach  zu  senden,  der  das
Kind'sche  Verfahren  an  Ort  und  Stelle  studieren  sollte.  Bergrat  v.  Alberti
legte  denn  auch  seine  Beobachtungen  und  Erfahrungen  in  einem  längeren  Berichte ­
  nieder.  Bei  diesem  Kind'schen  Verfahren  handelte  es  sich  im  wesentlichen
um  die  Anwendung  eines  Freifallbohrers.  Dieser  besteht  in  seinem  unteren
Teil  aus  dem  sogenannten  Abfallstück,  an  welchem  sich  das  Bohrstück  befand.
Sobald  der  Schwengel  im  Bohrhaus  angezogen  wurde,  packte  der  Greifapparat
die  Zunge  des  Oberendes  und  je  weiter  man  den  Schwengel  niederdrückte,  trat
als  Folge  das  in  die  Höhesteigen  des  Bohrers  ein.  War  der  Hub  des
Bohrers  beendigt  und  fing  das  Obergestänge  zu  sinken  an,  so  drückte  man  im
selben  Augenblick  das  Wasser  im  Bohrloch  gegen  den  oben  angebrachten  Lederhut; ­
  es  war  dies  eine  Lederscheibe  vom  Durchmesser  des  Bohrloches.  Sobald
der  Zug  die  Zugstange  nach  oben  führte,  die  mittels  des  Bolzens  und  der  Hebel ­
  mit  der  Greifzange  in  Verbindung  stand,  öffnete  sich  die  Schere  und  alsbald ­
  fiel  das  Untergestänge  mit  dem  Bohrer  frei  ab.  In  einem  trockenen  Bohrloch ­
  war  übrigens  die  Freifallschere  unverwendbar.
Am  2.  Januar  1854  hatte  man  mit  der  Abteufung  des  Steinsalzschachtes
zu  Friedrichshall  begonnen  und  hierbei  die  Arbeit  so  kräftig  gefördert,  daß  bereits ­
  Ende  Mürz  1855  der  Schacht  bis  zu  einer  Tiefe  von  302  Fuß  im  Muschelkalk ­
  abgeteuft  war.  In  weiteren  3  Monaten  hoffte  man  bei  350  Fuß  das
Gipslager  und  nach  einem  Jahr,  etwa  im  Juni  1856,  das  Steinsalzlager  bei
540  Fuß  Tiefe  zu  erreichen.  Für  die  Wasserhaltung  hatte  man  eine  Dampfmaschine ­
  von  15  Pferdestärken,  neben  einer  Reservemaschine  von  91  PS.  normaler ­
  Leistung,  die  maximal  130  bis  140  PS.  zu  leisten  vermochte,  aufgestellt.
Die  aufgestellte  kleine  Wasserhaltungsmaschine  von  15  PS.  vermochte  anfangs
die  in  geringerer  Tiefe  auftretenden  Wasser  gut  zu  bewältigen;  bei  größerer
Teufe  erwies  cs  sich  jedoch  als  eine  sehr  notwendige  Maßnahme,  größere  Maschinenkräfte ­
  zur  Verfügung  zu  haben,  sodaß  die  in  Reserve  gehaltene  Wasserhaltnngsmaschine
  bald  in  volle  Tätigkeit  trat 1  2 ).  Das  eigentliche  Salzlager
wurde  jedoch  erheblich  später,  als  erwartet,  erreicht,  nämlich  erst  im  Jahre  1859.
Unerwartete  technische  Schwierigkeiten  hatten  die  Niederbringung  des  Schachtes
verzögert.  Der  Schacht  diente  gleichzeitig  der  Wetterführung,  Steinsalzförderung,
Fahrung  und  Wasserhebung.  Die  geologische  Formation  zeigte  nach  den  von
dem  Schachte  durchfahrenen  Gebirgsarten  folgendes  Bild  3 ) ;
1)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  d.  Abg.,  Jahr  1851.  II.  Band,  S.  1105.
2)  Oesterreichische  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hüttenwesen.  Jahrg.  1876,  S.  414.
3)  O.  Fraas,  Die  nutzbaren  Minerale  Württembergs.  1860,  S.  111.
            
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