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Das Schlitzverfahren hatte eine erhebliche Herabsetzung der Gewinnungs
kosten des Salzes zur Folge, da der nachfolgende Abbau hierdurch erheblich er
leichtert wurde. Durch dieses Verfahren gelang es, die Gewinnungskosten eines
Zentners Salz ans 4,5 Pfg. herabzubrinZen. Später wendete man das Ab
schlitzverfahren auch bei den Stößen am oberen Einbruchsbau an; hierdurch wurde
das Salzlager in seiner ganzen Mächtigkeit auf einmal verhauen. Das Ab
schlitzen des ganzen Stoßes wurde in der Weise bewirkt, daß man unter dem
Dache des Steinsalzlagers in einer Entfernung von etwa 2 Fuß ein gewöhn
liches Bohrloch ansetzte und dieses mit einein geringgradigen Ansteigen in das
Salz hineinführte, derart, daß etwa bei 6 Fuß Länge das Hangende erfaßt
wurde. Das Bohrloch nahm alsdann eine freie bewegliche Röhre auf, durch
welch das Schlitzwasser ging. Auf diese Weise erhielt das Salzlager in seiner
ganzen Höhe einen Schlitz von vorn nach hinten. Zu bemerken ist noch, daß
die bei der Schlitzarbeit entstehende Sole dem Sumpf zugeleitet wurde; cs han
delte sich jedoch hierbei um unbedeutende Mengen. In dem Sumpf erfolgte die
Auflösung des unreinen Steinsalzes.
JÜBh schließen hier nach Fehling die Ergebnisse der chemischen Untersuchung
des Steinsalzes von „Wilhelmsglück" an. Es enthielten hiernach 100 Teile SalzZ:
Chlornatrium
Chlorcalcium
Chlormagnium
Schwefelsauren Kalk
Ton mit Eisenoxyd
Kohlensauren Kalk
88,9456 mit 60,0110 Chlor
0,0204
Spuren
0,1600
0,5970
0,0700
0,0129
60,0239 Chlor.
Kohlensaure Bittererde 0,1010
Salze 99,8940
Die Scheidung des abgebauten Salzes lag in der Händen von 10 Mann,
die diese Arbeit unmittelbar in der Grube verrichteten. ~ Gearbeitet wurde in
neunstündiger Schicht bei 10 Sgr. Lohn. Die Arbeitsleistung des Einzelnen
in einer Schicht erreichte etwa 100 Zentner Steinsalz. Die Förderung von den
Abbaustellen wurde nach dem Schachte durch zweirädrige Wagen besorgt, welche
einen Fassungsraum von 650 kg hatten. Als Arbeitslohn wurde den Förder
leuten für den Zentner 2,4 Pfg. bezahlt, wobei diese noch das Auffüllen des
reinen Salzes in die Fördertonne zu besorgen hatten. Für denselben Lohn
mußten sie auch das unreine Salz in den Auflösungssumpf stürzen.
Die Abraumsalze, die etwa 1 / 6 der gesamten Fördermenge umfaßten, wurden
sogleich in der Grube aufgelöst. Die Auflösung wurde in einem Sumpf voll
zogen, der unter dem Förderschachte lag und der eine Tiefe von 32 Fuß und
630 Quadratfuß Grundfläche besaß. In diesem Sumpf konnten täglich 210
Ztr Salz in eine 25 °/ 0 ige Sole verwandelt werden. Die technischen Vorrich
tungen des Sumpfes bestanden vornehmlich aus einer Brettbühne, auf welcher
das aufzulösende Salz ausgebreitet wurde. Ueber der Oberfläche des Sumpfes
lagen Tropfrinnen, von welchen ständig Süßwasser auf das unten ausgebreitete
Steinsalz fiel. Die Brettbühne, welche 7s Zoll weite Fugen besaß, lag 7 Fuß
tief von der Oberkante des Sumpfes. Die auf der Brettbühne ausgebreitete
Steinsalzschicht hatte eine Höhe von etwa 7 Fuß, durch welche das Süßwasser
hindurchsickerte. Letzteres reicherte sich hierdurch mit Salz an und ergab eine
1) Fehling, Chemische Untersuchung der Solen der Kgl. württ. Salinen. Stutt
gart 18-47, S. 47.
'iyimattn, Salzbergbau und Salinenwejen in Württemberg. 10