Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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Das  Schlitzverfahren  hatte  eine  erhebliche  Herabsetzung  der  Gewinnungskosten ­
  des  Salzes  zur  Folge,  da  der  nachfolgende  Abbau  hierdurch  erheblich  erleichtert ­
  wurde.  Durch  dieses  Verfahren  gelang  es,  die  Gewinnungskosten  eines
Zentners  Salz  ans  4,5  Pfg.  herabzubrinZen.  Später  wendete  man  das  Abschlitzverfahren ­
  auch  bei  den  Stößen  am  oberen  Einbruchsbau  an;  hierdurch  wurde
das  Salzlager  in  seiner  ganzen  Mächtigkeit  auf  einmal  verhauen.  Das  Abschlitzen ­
  des  ganzen  Stoßes  wurde  in  der  Weise  bewirkt,  daß  man  unter  dem
Dache  des  Steinsalzlagers  in  einer  Entfernung  von  etwa  2  Fuß  ein  gewöhnliches ­
  Bohrloch  ansetzte  und  dieses  mit  einein  geringgradigen  Ansteigen  in  das
Salz  hineinführte,  derart,  daß  etwa  bei  6  Fuß  Länge  das  Hangende  erfaßt
wurde.  Das  Bohrloch  nahm  alsdann  eine  freie  bewegliche  Röhre  auf,  durch
welch  das  Schlitzwasser  ging.  Auf  diese  Weise  erhielt  das  Salzlager  in  seiner
ganzen  Höhe  einen  Schlitz  von  vorn  nach  hinten.  Zu  bemerken  ist  noch,  daß
die  bei  der  Schlitzarbeit  entstehende  Sole  dem  Sumpf  zugeleitet  wurde;  cs  handelte ­
  sich  jedoch  hierbei  um  unbedeutende  Mengen.  In  dem  Sumpf  erfolgte  die
Auflösung  des  unreinen  Steinsalzes.
JÜBh  schließen  hier  nach  Fehling  die  Ergebnisse  der  chemischen  Untersuchung
des  Steinsalzes  von  „Wilhelmsglück"  an.  Es  enthielten  hiernach  100  Teile  SalzZ:

Chlornatrium
Chlorcalcium
Chlormagnium
Schwefelsauren  Kalk
Ton  mit  Eisenoxyd
Kohlensauren  Kalk

88,9456  mit  60,0110  Chlor

0,0204
Spuren
0,1600
0,5970
0,0700

0,0129

60,0239  Chlor.

Kohlensaure  Bittererde  0,1010
Salze  99,8940
Die  Scheidung  des  abgebauten  Salzes  lag  in  der  Händen  von  10  Mann,
die  diese  Arbeit  unmittelbar  in  der  Grube  verrichteten.  ~  Gearbeitet  wurde  in
neunstündiger  Schicht  bei  10  Sgr.  Lohn.  Die  Arbeitsleistung  des  Einzelnen
in  einer  Schicht  erreichte  etwa  100  Zentner  Steinsalz.  Die  Förderung  von  den
Abbaustellen  wurde  nach  dem  Schachte  durch  zweirädrige  Wagen  besorgt,  welche
einen  Fassungsraum  von  650  kg  hatten.  Als  Arbeitslohn  wurde  den  Förderleuten ­
  für  den  Zentner  2,4  Pfg.  bezahlt,  wobei  diese  noch  das  Auffüllen  des
reinen  Salzes  in  die  Fördertonne  zu  besorgen  hatten.  Für  denselben  Lohn
mußten  sie  auch  das  unreine  Salz  in  den  Auflösungssumpf  stürzen.
Die  Abraumsalze,  die  etwa  1 / 6  der  gesamten  Fördermenge  umfaßten,  wurden
sogleich  in  der  Grube  aufgelöst.  Die  Auflösung  wurde  in  einem  Sumpf  vollzogen, ­
  der  unter  dem  Förderschachte  lag  und  der  eine  Tiefe  von  32  Fuß  und
630  Quadratfuß  Grundfläche  besaß.  In  diesem  Sumpf  konnten  täglich  210
Ztr  Salz  in  eine  25  °/ 0 ige  Sole  verwandelt  werden.  Die  technischen  Vorrichtungen ­
  des  Sumpfes  bestanden  vornehmlich  aus  einer  Brettbühne,  auf  welcher
das  aufzulösende  Salz  ausgebreitet  wurde.  Ueber  der  Oberfläche  des  Sumpfes
lagen  Tropfrinnen,  von  welchen  ständig  Süßwasser  auf  das  unten  ausgebreitete
Steinsalz  fiel.  Die  Brettbühne,  welche  7s  Zoll  weite  Fugen  besaß,  lag  7  Fuß
tief  von  der  Oberkante  des  Sumpfes.  Die  auf  der  Brettbühne  ausgebreitete
Steinsalzschicht  hatte  eine  Höhe  von  etwa  7  Fuß,  durch  welche  das  Süßwasser
hindurchsickerte.  Letzteres  reicherte  sich  hierdurch  mit  Salz  an  und  ergab  eine
1)  Fehling,  Chemische  Untersuchung  der  Solen  der  Kgl.  württ.  Salinen.  Stuttgart ­
  18-47,  S.  47.
'iyimattn,  Salzbergbau  und  Salinenwejen  in  Württemberg.  10
            
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