I. Tlieil. Statistik der Anträge, Ablehnungen, Aufnahmen und Abgänge.
t
V. Kapitel.
Beruf, Geschlecht und Beitrittsalter der Versicherten.
Hingesehen auf den Beruf unterscheiden wir 15 Haupt
klassen. Die meisten derselben sind wieder in Unterklassen
geschieden, welche aber in der gegenwärtigen statistischen
Publication nirgends zur Erscheinung kommen, und nur um
deswillen sorgfältig fortgeführt werden, weil es wünschenswert!!
sein kann, einmal für einen einzelnen Berufszweig, beispielsweise
für die Angehörigen eines bestimmten Handwerkes, für gewisse
Verkehrsbeamte, für Bergleute einer gewissen Kategorie u. s. w.,
ganz eingehende Sterblichkeits-Untersuchungen anzustellen, zu
welchem Zwecke die grossen Klassen zu gemischt, die Unter
klassen aber zur Zeit noch durchweg viel zu schwach be
setzt sind.
Die Einteilung der Hauplklassen folgt weniger einem
wissenschaftlichen Princip, als dem praktischen Bedürfnisse.
Dabei musste unter Anderem auch darauf Rücksicht genommen
werden, dass in den Anmeldungen zur Versicherung der Lebens
beruf des Antragstellers oft nicht mit der genügenden Be
stimmtheit bezeichnet wird, dass aber nichts destoweniger eine
annähernd zutreffende Einreihung sämmtlicher Versicherten in
die Rubriken des aufgestellten Schemas möglich gemacht werden
musste. Diese Arbeit hat ihre besonderen Schwierigkeiten; der
einzelne Fall erfordert oft viel Nachdenken und allerhand Com-
binationen. Die gewählte Klasseneinteilung und Bezeichnung
hat sich dabei bisher im Ganzen gut bewährt. Aber man
verhehlt sich nicht, dass der Beruf der Versicherten zur
Zeit der Aufnahme für den Lebensversicherungs-Statistiker
doch nur in einer Richtung von Interesse ist, und dass die
mehrseitig interessante Berufs - Statistik des Versicherten-Be
standes — die Klassen-Einteilung und Bezeichnung mag
auch noch so glücklich gewählt sein — um deswillen der
Zuverlässigkeit ermangelt, weil die beobachteten Versicherten
nicht immer derjenigen Berufsklasse eingereiht werden können,
welcher sie am längsten angehört haben, sondern, ohne Rück
sicht auf etwaigen Berufswechsel, derjenigen Klasse verbleiben
müssen, welcher sie zur Zeit der Aufnahme angehörten.
Wie Tabelle VII a zeigt, wurden in dem ganzen fünfzig
jährigen Zeiträume 5352 Personen, und zwar 576 männliche
und 4776 weibliche, aufgenommen, welche keinem be
nannten Berufszweige angehörten, oder denselben nicht
angegeben hatten (Kl. 1), und 53 männliche Personen (Kl. XV),
welche nicht in irgend einer der übrigen 14 Klassen
unterzubringen waren. Unter den 4776 weiblichen Per
sonen der Klasse I befinden sich ohne Zweifel viele, welche
zur Zeit der Aufnahme einem bestimmten Berufszweige an
gehörten, denselben aber in der Declaration nicht angegeben
haben; die $76 Männer der Kl. I werden in der That zur
Zeit der Aufnahme mit wenigen Ausnahmen wirklich geschäftslos,
vermögende Leute ohne bestimmten Beruf, gewesen sein.
Die mit Rücksicht auf den Beruf der Beitretenden gebil
deten fünfzehn Klassen rangiren nach der Zahl der ihnen an-
gehörigen Personen, welche in dem ganzen fünfzigjährigen
Zeiträume eintraten, folgendermaasen:
I. Staats-, Kirchen-, Schul- und Gemeinde-Beamte
mit 31 628 Eingetr.
2. Handeltreibende » 14 577 »
3. Gewerktreibende » 12462 »
4. Transportbetriebs-Personal ...» 5 7^1 »
5. Berufslose » 5 35 2 »
6. Aerztliches Personal » 3 803 »
7. Landwirthe » 2613 »
8. Militärpersonen » 2 179 »
mit 2 177 Eingetr.
» I 859 »
» 972 »
» 970 » '
» 806 »
» 109 »
53
vier
»
Klassen
9. Forst-Beamte und Bedienstete
10. Künstler
11. Persönliche Dienste Leistende
12. Ingenieurs, Givilingénieurs ele.
13. Bergleute und Bergbeamte .
14. Privatgelehrte
15. Diverse Berufszweige . . .
In allen fünf Jahrzehnten behaupten nur
ihren Rang durchweg, nämlich
die II. Klasse (Staats- etc. Beamte) den ersten Rang,
» VII. » (Landwirthe) den siebenten Rang,
» IV. » (Privatgelehrte) den vierzehnten Rang,
» XV. » (Diverse Berufszweige) den fünfzehn ten Rang.
Alle anderen Klassen wechseln den Rang ein oder
mehrere Male.
Täio III k r li««p (Apr7.tlic.hps Personal! behauntet in den
ersten 3 Jahrzehnten den fünften und sinkt im vierten auf
den sechsten Rang, den sie im letzten Jahrzehnt behauptet.
Die V. Klasse (Künstler) finden wir im ersten Jahrzehnt
im neunten, im zweiten im achten, im dritten und vierten
im neunten, im fünften im zehnten Range.
Die VI. Klasse (Persönliche Dienste Leistende) steht im
ersten und dritten Jahrzehnt im elften, im zweiten, vierten
und fünften im zwölften Range.
Die VIII. Klasse (Forstbeamte und Bedienstete) behauptet
in allen Jahrzehnten den achten Rang, nur im zweiten sinkt
sie in den neunten.
Die IX. Klasse (Bergleute und Bergbeamte) finden wir im
ersten Jahrzehnt im zwölften, im zweiten im elften, in
den drei folgenden im dreizehnten Range.
Die X. Klasse (Handeltreibende) behauptet in den ersten
drei Jahrzehnten den zweiten Rang, sinkt im vierten auf den
dritten und kehrt im fünften auf den zweiten zurück.
Die XI. Klasse (Transportbetriebspersonal) finden wir in
den ersten beiden Jahrzehnten im zehnten, im dritten im
sechsten, im vierten und fünften im vierten Range.
Die XII. Klasse (Ingenieurs, Civilingenieurs, Geodäten) steht
in den ersten beiden Jahrzehnten im dreizehnten, im dritten
im zwölften, im vierten und fünften im elften Range.
Die XIII. Klasse endlich (Gewerktreibende) finden wir stets,
ausser im vierten Jahrzehnt, wo sie in den zweiten Rang
aufrückt, im dritten Range.
Sehr verschiedene Motive beeinflussen solchen Rangwechsel ;
ist die Verschiebung sehr stark und wird der neue Rang nicht
nur mit kleinen Ziffern erobert, so sind die Haupteinflüsse meist
nachweisbar. Das Aufrücken der XI. Klasse z. B. im dritten,
ihr noch weiteres Aufrücken im vierten und fünften Jahrzehnt
hängt sicher mit dem Aufkommen und dem raschen Wachs-
thume eines ganz neuen Beamtenstandes seit den Vierziger
Jahren, nämlich des Eisenbahn - Beamtenstandes, dann aber
damit zusammen, dass erst die preussische, dann die Reichs-
Postverwaltung ihre Fürsorge für das ihr untergebene Personal
durch Beförderung und Erleichterung des Eintrittes in Lebens
versicherungsanstalten bethätigte, und dass so auch der Leben>-
versicherungsbank f. D. zahlreiche Versicherungen von Beamten
dieser Kategorie zugeführt wurden.
Dass die Klasse der Staats-, Kirchen-, Schul- und Gemeinde-,
Beamten durch alle Jahrzehnte den ersten, die der Handel
treibenden wenigstens durch vier Jahrzehnte und im Ganzen
den zweiten, die der Ge werkt reibenden wenigstens durch
vier Jahrzehnte und im Ganzen den dritten Rang einnehmen,
zeigt deutlich, in welchen Bevölkerungsklassen die Bank in den
verflossenen fünfzig Jahren ihre Hauptclientei gefunden hat.
Diesen drei Klassen entstammten nahezu 69 0 0 aller Bei
getretenen.