Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

Gut  bis  zu  80  mm  Korngröße,  alsdann  wird  das  soweit  fertige  Gut  bei  den
Vorbrechern  I,  II  und  III  aus  je  2  Mahlgänge  gekrackt,  erneut  zerkleinert  und
nun  durch  die  Elevatoren  bis  zum  Dachgeschoß  befördert.  Vom  Dachgeschoß
wird  das  Gut  in  die  Doppelsiebe  gestürzt,  worauf  der  Durchfall  nun  entweder
durch  die  Transportschnecken  als  Fertigfabrikat  den  Eisenbahnwagen  zugeführt
wird,  oder  man  befördert  das  Gut  auf  Wagen  nach  dem  Magazin.  Für  den
Mahlprozeß  des  Steinsalzes  kommt  also  eine  geschlossene  Apparatengruppe  in
Frage,  die  sich  zusammensetzt  aus  je  einem  Vorbrecher,  2  Mahlgängen,  1  Elevator,
1  Siebapparat  und  1  Schnecke.  Die  Leistung  einer  solchen  Apparatengruppe
in  10  Stunden  liegt  zwischen  60  bis  75  Tonnen  gemahlenes  Steinsalz  bei  einem
Kraftbedarf  von  15  Pferdekräften.  Das  Gut,  welches  als  Ausfall  die  Siebe
nicht  passiert  hat,  wird  zur  nochmaligen  Bearbeitung  auf  die  vorhandenen  beiden
Reserve-Mahlgänge  übergeführt.  Der  Kraftbedarf  der  Reserve-Mahlgänge  mit
1  Elevator  und  1  Sieb  beträgt  10  Pferdestärken.  Das  ausgetragene  Mahlgut
des  Vorbrechers  IV  wird  auf  ein  Leseband  geschickt,  wo  eine  Auslese  durch
Knaben  bewirkt  wird,  worauf  das  Gut  auf  ein  Sieb  von  11  mm  Lochung  fällt.
Diese  Apparatengruppe  weist  bei  10-stündigem  Gange  ebenfalls  eine  Produktionsleistung ­
  von  60  bis  75  Tonnen  auf,  jedoch  werden  hier  nur  5  Pferdestärken
als  Kraftbedarf  benötigt.  Es  würde  sich  hiernach  die  Gesamtleistung  der  Mühle
auf  240  bis  300  Tonnen  in  10  Stunden  stellen.  Nachstehend  geben  ivir  eine
Uebersicht  der  in  der  Mühle  hergestellten  Korngrößen:
1.  Staubsalz  bis  0,4  mm!  6.  Gemahlenes  Knörpelsalz  bis  80  mm
7 -  „  Mittelkorn  v.  1—2  „
8.  „  Grobsalz  v.  2,5—7  „
j  9.  Feinknörpelsalz  „  7—11  „
-  ---  -  ~  „  110.  Knörpelsalz  „  11—80  „
gur  den  Betrieb  der  Mühle  steht  eine  liegende,  zylindrische  Hochdruckmaschine ­
  zur  Verfügung,  deren  Zylinder  eine  Bohrung  von  520  mm  hat;  der
Hub  beträgt  1000  mm,  während  60  Umdrehungen  in  der  Minute  geleistet
werden.  Die  Maschine  leistet  nicht  nur  die  für  die  Mahlgänge  benötigten  60
Pferdestärken,  sondern  sie  treibt  auch  den  Schachtventilator  unter  Benutzung  einer
Seiltransmission.

2.  Feinsalz  „  1
3.  Gemahlenes  Feinsalz  „  2
4.  „  Siebsalz  „  2,5
5.  „  mittl.  Grobsalz  „  11

Der  Lagerraum  des  Steinsalzmagazins  gestattet  die  Aufnahme  von  etwa  10000
Tonnen  Salz.  Die  Beförderung  des  fertigen  Salzes  zum  Magazin  geschieht
auf  eisernen  Seitenkippern.  Das  zur  Denaturierung  bestimmte  Salz  wird  mit
einer  Mischung  versehen,  die  sich  zusammensetzt  aus  7*  %  Wermutkrautpulver
und  3 / 8  °/o  Eisenoxyd,  oder  mit  1  °/ 0  Petroleum,  oder  2  %  Steinkohlenmehl,
auch  1  °/o  Ruß.  Ist  das  Steinsalz  für  Zwecke  bestimmt,  die  seine  Denaturierung ­
  nicht  zulassen,  was  besonders  für  die  chemische  Industrie  gilt,  so  erfolg
der  Versand  unter  Steuerverschluß  und  wird  das  Salz  dann  am  Bestimmungsort
unter  weiterer  Kontrolle  der  Steuerbehörde  behandelt.  In  diesem  Falle  erha  en
die  Säcke  Steuerplomben.  Die  Säcke  fassen  50  oder  100  kg  Sülz.  te
Verladung  des  Steinsalzes  in  die  Schiffe  und  Eisenbahnwagen  erfolgt  entweder
lose  durch  Lutten  oder  Rutschen  (Gleitbahnen)  oder  in  Säcken,  die  man  auf
Karren  zur  Verladestelle  befördert.  Stücksalz,  das  sofort  zum  Versand  gelangt,
wird  unmittelbar  vom  Schacht  durch  eine  Rutsche  zu  den  Eisenbahnwagen  geleitet. ­
  Das  Magazin  liegt  direkt  an  dem  erbauten  Fabrikhafen,  der  mit  dem
Neckar  in  Verbindung  steht.  „  .
Einen  besonderen  Betrieb  stellt  die  eigentliche  Salinen-Ankage  dar,  über

N  e  u  m  a  tt  n,  Salzbergbau  und  Salinenwesen  in  Württemberg.

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